Ein kleiner Schritt aus dem Dilemma

Ein Blick in die leuchtenden Kinderaugen entschädigt Simone Bahrs für Vieles.
 
Endlich steht das neue stabile Schulgebäude.

Godshornerin und ihr Vater bauen zwei Schulen im bitterarmen Togo

Godshorn (ok). Sein Job hat ihn in den 60er-Jahren nach Gabun verschlagen, drei Jahre lang lebte Roland Sturm aus Ronnenberg in einem der ärmsten Länder der Erde. Die Erinnerung hat Roland Sturm, der dort viel Elend und Leid gesehen hat, einfach nicht losgelassen; immer wieder kam ihm der Gedanke, dort helfen zu müssen. Eine Idee, die er 2013 dann zusammen mit seiner Tochter Simone Bahrs aus Godshorn in die Tat umsetzte. „Die Ronnenberger Kirchengemeinde hat Kontakte nach Togo. Die Evangelische Schulbehörde in der Hauptstadt Lomé hat uns dann auf ein Projekt in der Mission Tové 40 Kilometer nördlich von Lomé gebracht.“ Dort wurden die Mädchen und Jungen bis dahin in einem instabilen Bau aus Lehmwänden mit einem Dach aus Palmwedeln unterrichtet. Simone Bahrs und ihr Vater gründeten einen Verein, koordinierten den Bau von der Heimat aus; jeder Baufortschritt wurde fotografiert und dokumentiert. „Wir haben auf Eigeninitiative gesetzt, den Afrikanern eine Menge zugetraut“, erzählt Simone Bahrs. Die Menschen in Togo haben sie bei ihrem Premierenbesuch zur Eröffnung der Schule sehr beeindruckt. „Sie sind fröhlich und haben gute Laune, obwohl sie fast jeden Tag ums nackte Überleben kämpfen müssen.“ Bildung ist für sie der einzige Weg, um die Einheimischen aus dem Dilemma führen zu können, das Thema Hygiene muss einen großen Stellenwert im Alltagsleben der Mädchen und Jungen bekommen. Simone Bahrs, die schon während ihres Studiums der Betriebswirtschaftslehre für Amnesty International gearbeitet hat: „So könnten viele der Krankheiten vermieden werden. Denn die ärztliche Versorgung ist schlecht.
 Die erste Schule hat Simone Bahrs und ihr Vater 2013 aus eigenen Mitteln finanziert. In 2014 wurde das Projekt „Ausbau der Infrastruktur“ mit einem Volumen von 25.000 Euro mit Unterstützung der BINGO Umweltstiftung (14.000 Euro) auf dem Gelände umgesetzt. Dies beinhaltete Anschluss an Wasser- und Stromversorgung, Bau einer Toilettenanlage und Kauf von Unterrichtsmaterial für jeden Schüler. Dazu kamen 120 Schulbänke, die zum Teil von den Eltern angefertigt wurden.
 Eine Stiftung, die Simone Bahrs und Roland Sturm mit ihrem eingetragenen Verein „TOGO pro-infans“ auch ein zweites Mal unterstützen wird. Denn: Ein zweiter Neubau ist notwendig geworden, nachdem das alte Schulgebäude aus Lehm 2014 nach heftigen Regenfällen eingestürzt war. Das musste weiterhin als Ausweichquartier dienen, weil das attraktive, wasserdichte Gebäude mit sanitären Anlagen für einen wahren Schülerboom sorgte. „25.000 Euro haben wir schon zusammen – 17.000 Euro von Bingo-Umweltstiftung, den Rest aus Spenden und eigenen Mitteln“, erzählt Simone Bahrs freudestrahlend im Gespräch mit dem ECHO. Fehlen noch etwa 5.000 Euro. Im Herbst fliegt sie mit ihrem Vater wieder nach Togo, ist optimistisch, die Summe bis dahin in trockenen Tüchern zu haben. Und wenn sie dann in die strahlenden Kinderaugen blickt, sind all der Stress und die Strapazen der vergangenen Monate vergessen. Wer mehr über die Projekte informieren möchte, kann sicher gern auf www.togo-pro-infans.de umschauen. Die beiden Initiatoren Roland Sturm und Simone Bahrs stehen für Auskünfte natürlich auch zur Verfügung. Spendenquittungen können selbstverständlich ausgestellt werden.