„Ich wusste gleich, dass das mein Ding ist“

In Action auf dem Eis: Deutschlands Nachwuchshoffnung Felix Schrader.
 
Liebt die Geschwindigkeit: Felix Schrader.

Sledge-Eishockey-Crack Felix Schrader zur Wahl des „Behindertensportler des Jahres“ nominiert

Langenhagen (ok). Er ist einer von sechs Kandidaten, die zur Wahl zum „Behindertensportler/-in des Jahres“ antreten und zwischen dem 29. Januar und 24. Februar von den Sportbegeisterten im ganzen Land gewählt werden können. Seiner Oma hat es der 18-jährige Sledge-Eishockeyspieler Felix Schrader zu verdanken, dass er überhaupt nominiert worden ist. „Sie hat das eingefädelt und mich vorgeschlagen“, sagt der angehende Bankkaufmann schmunzelnd. Mit einer Fehlstellung des rechten Beins auf die Welt gekommen, hat Felix Schrader keine einfache Kindheit hinter sich, musste mehrere Operationen über sich ergehen lassen. Alles half jedoch nichts und mit zwölf Jahren musste er sich das rechte Bein oberhalb des Knies amputieren lassen. An Sport war bis dahin gar nicht zu denken, aber dann ist er über ein Gespräch beim Physiotherapeuten mit dem Sledge-Eishockey in Berührung gekommen. Ein Sport, von dem er bis dato noch gar nichts gehört hatte. Doch Felix hatte Blut geleckt, machte sich mit seinem Vater – der chauffierte ihn in all den Jahren bis zum eigenen Führerschein zum Training und zu Spielen – auf den Weg in die Eishalle nach Langenhagen. Ein paar Mal machte er Probetraining auf dem Eis mit, war hellauf begeistert. „Ich bin zwar oft mit dem Schlitten umgekippt, und der Puck ist mir 1.000 Mal gegen den Kopf geflogen, aber ich wusste gleich, dass das mein Ding ist“, sagt Felix Schrader im Gespräch mit dem Langenhagener ECHO lachend. Mit 14 ging es gleich zu den Ice Lions im SC Langenhagen in der ersten Bundesliga und prompt auch in die deutsche Nationalmannschaft. Eine Blitzkarriere in ganz jungen Jahren, die wohl kaum ein Sportler vorweisen kann. Mit dem deutschen Team hat Felix Schrader quasi die ganze Welt gesehen, war zum Beispiel in den USA, in Schweden und in Polen und hat in Japan Gold im B-Pool geholt. Sledge-Eishockey – genau der richtige Sport für den Heranwachsenden. Bewegung habe er früher so sehr vermisst, deshalb „liebe ich Geschwindigkeit und Action“. Eine Sportart, die auch noch im höheren Alter ausgeübt werden könne; Mannschaftskamerad Jörg Wedde am Landesstützpunkt in Langenhagen ist bereits 50 Jahre alt und bringt immer noch Top-Leistungen. Außer Geschwindigkeit und Beweglichkeit zeichnen Felix Schrader, der auf dem linken Flügel spielt, Technik und Spielintelligenz aus. Auf dem Eis ist er wahnsinnig schnell unterwegs, in diesem Fall sei es sicher ein Vorteil, dass er durch sein fehlendes rechtes Bein zehn bis 15 Kilogramm leichter sei. 2.000 Euro kostet etwa der Schlitten, 1.000 Euro die Ausrüstung – Investitionen, die sich mit seinem relativ schmalen Ausbildungsgehalt kaum realisieren lassen. „Deshalb bin ich froh, dass sich meine Oma auch noch um Sponsoren kümmert“, freut sich Felix Schrader. Seine Oma sei sowieso einer seiner größten Fans, bei jedem Heimspiel dabei. Aber die Sponsoren wollen natürlich auch Leistung sehen, und deshalb muss Felix Schrader, mittlerweile wohl einer der besten Sledge-Eishockey-Spieler Deutschlands, hart trainieren: drei Mal in der Woche eineinhalb Stunden, dazu noch ein Spiel am Wochenende. Da bleibt wenig Zeit für andere Hobbies. Wenn die Zeit da ist, geht Felix Schrader mit seiner Freundin, die ja auch zu ihrem Recht kommen will, mal ins Kino. Ansonsten konzentriert sich der Stürmer der Ice-Lions Langenhagen voll auf seinen Sport und lässt sich durch nichts und niemanden ablenken. Felix Schrader ist froh, dass er den Durchbruch geschafft hat, erinnert sich aber auch noch gut an seine Anfangszeit auf dem Eis: „Ich habe bestimmt ein Dreivierteljahr gebraucht, um reinzukommen“, macht er potenziellen Anfängern in Sachen Sledge Eishockey Mut. Mehr Infos zur Wahl unter www.bsn-ev.de.