Junghasen – ganz und gar nicht hilflos

Auch wenn die Kleinen noch so niedlich sind: Es handelt sich um Wildtiere, die in der freien Natur aufwachsen müssen. Foto: J. Neumann

NABU Artenschutzzentrum: Junghasen in keinem Fall anfassen

Region. Die Telefone im NABU-Artenschutzzentrum Leiferde stehen in diesen Tagen nicht mehr still, und in den meisten Fällen ahnen die Mitarbeiter schon, worum es geht. Spaziergänger haben einen kleinen Feldhasen gefunden und aus Sorge, dass er bei diesen Temperaturen erfrieren könnte, haben sie ihn gleich mitgenommen. Feldhasen bringen ihre Jungen jedoch immer sehr früh im Jahr zur Welt. Da kann es auch schon mal sein, dass es noch sehr kalt ist und Schnee auf den Feldern liegt. In der Regel setzt die Häsin zwei Junge. Diese sind vollständig entwickelt, wenn sie geboren werden, das heißt Augen und Ohren sind offen und sie haben ein dichtes, wärmendes Fell.
„Oft wird uns am Telefon berichtet, dass die Junghasen allein seien und das Muttertier nirgends zu sehen wäre“, berichtet Anne Kessel, Mitarbeiterin im NABU-Artenschutzzentrum Leiferde. „Aber das ist der Normalfall, denn die Mutter kommt nur für wenige Minuten in der Nacht vorbei, um ihre Jungen zu säugen.“ Den Rest der Zeit sind die jungen Hasen auf sich gestellt. Dadurch, dass sie sich so ruhig verhalten sowie durch ihre Fellfarbe sind sie ausreichend getarnt.
In der Natur ist die Sterblichkeit bei Junghasen verhältnismäßig hoch; die Chancen, dass die Hasen in Menschenhand überleben, sind allerdings noch weitaus schlechter. „Wir haben nur industriell hergestellte Ersatzmilch zur Verfügung. Die ist mit der richtigen Hasenmilch jedoch nicht zu vergleichen“, erklärt Anne Kessel. „Außerdem sind Jungtiere, die von Menschen aufgezogen werden, wesentlich mehr Krankheitskeimen ausgesetzt als draußen in der freien Wildbahn.“
Die dringende Bitte des NABU-Artenschutzzentrums Leiferde ist daher, Junghasen in der Natur zu lassen und sie auf gar keinen Fall anzufassen. Dann nämlich nehmen die Tiere den menschlichen Geruch an und es könnte passieren, dass die Häsin sie nicht mehr säugt.
Wer unsicher ist, ob ein Junghase Hilfe benötigt, sollte zunächst im NABU-Artenschutzzentrum anrufen, empfiehlt Anne Kessel. So könne die weitere Vorgehensweise abgestimmt werden. Das Zentrum ist erreichbar unter Telefon (0 53 73) 66 77.