Mit dem Schiff kommt die Hilfe

Hat die Kinder an Bord richtig in ihr Herz geschlossen: Katrin Westphal (Mitte).
 
Beeindruckend: das Hospitalschiff, das regelmäßig an der afrikanischen Küste vor Anker geht.

Katrin Westphal sammelt Erfahrungen für Leben im „schwimmenden Krankenhaus“

Langenhagen (ok). Es ist ein schwimmendes Krankenhaus vor Madagaskar; eine alte dänische Fähre, die aus Spendengeldern umgebaut worden ist. Ein Mercy Ship, auf dem nach Ansicht vieler Einheimischer Wunder geschehen. Katrin Westphal aus Kaltenweide durfte einige dieser Wunder live erleben, hat von Dezember bis Februar auf dem Hospitalschiff im Indischen Ozean mitgeholfen. „Ich war dort im Dining Room eingesetzt, habe mich um den Auf- und Abbau des Buffets gekümmert“, erzählt Katrin Westphal, die normalerweise als Europasekretärin arbeitet. Die Langenhagenerin gehört zu eine der wenigen Deutschen, die ehrenamtlich für die Hilfsorganisation tätig ist. „Auf die Idee gebracht hat mich eine Kinderkrankenschwester aus Hannover, die dort mitgearbeitet hat. Ich habe mich dann damit beschäftigt, das klang ziemlich interessant, nicht zuletzt wegen des internationalen Rahmens“, erzählt Katrin Westphal begeistert. Nach einem Informationswochenende auf dem Ijsselmeer in den Niederlanden war sie Feuer und Flamme, positiv beeindruckt von Menschen, die selbst auf dem Schiff waren und über ihre Erfahrungen berichtet haben. Knapp ein Jahr zog dann ins Land, bis sie im Dezember 2014 selbst aufs Schiff ging. Allerdings nicht in Westafrika, wie normalerweise üblich, sondern im Osten Afrikas vor Madagaskar. „Wegen der Ebola-Seuche mussten alle Planungen über den Haufen geworfen werden“, so Katrin Westphal. Es ging dieses Mal an die Ostküste Afrikas, wo mehr als 400 Frauen und Männer aus 33 Nationen vom Schulabgänger bis zum Rentner dafür sorgten, dass der Krankenhausbetrieb reibungslos über die Bühne ging. Ein Krankenhaus im Meer, dass nicht für die alltäglichen Verletzungen, sondern für schwere Operationen zuständig ist. Die sind für die Betroffenen kostenlos; das Team des Mercy Ships hält im ganzen Jahr Ausschau nach Betroffenen, bewertet die einzelnen Fälle und holt die Kranken mit Jeeps von der ganzen Insel. Relativ einfache plastische Korrekturen an Händen und Füßen, aber auch kompliziertere Operationen wie die Entfernung gutartiger Tumore oder die Entfernung von Gaumenspalten gehören zu den Aufgabengebieten – Eingriffe, die den Betroffenen mehr Lebensqualität und Selbstbewusstsein bringen. In einem örtlichen Krankenhaus richtet die Organisation dann noch eine Art Rehazentrum ein.
„Die Augen sind gut, die Zähne schlecht“, so Katrin Westphal zum Gesundheitszustand vieler Bewohnerinnen und Bewohner, erklären kann sie sich dieses Phänomen allerdings nicht so recht. Auf jeden Fall geht auch regelmäßig ein Zahnscreening auf der Insel über die Bühne, ein Termin, bei dem Katrin Westphal auch schon mitgeholfen hat.
Überhaupt sei das Verhältnis zwischen Patienten und Personal super – im Zuge der Aktion „befriend a patient“ könne und dürfe es jederzeit Besuche geben.
Außer Ehrenamtlichen, die mindestens acht Wochen auf dem Schiff sind, und den Einheimischen, die im jeweiligen Hafen an Bord kommen und helfen, gibt es auch eine feste Crew, die auch ehrenamtlich arbeitet, aber länger an Bord ist als der „Durchschnitts-Ehrenamtliche“. Die Kinder dieser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen sogar an Bord zur Schule. Der Kopf des Ganzen ist Dr. Gary Parker, der medizinische Leiter. „Der lebt seit 28 Jahren auf dem Schiff und ist eine wahre Koryphäe“, schwärmt Katrin Westphal, die von der Professionalität an Bord begeistert ist. Die Arbeit auf dem Hospital-Schiff sei eine wirkliche Alternative zu „Work and Travel“ für junge Leute zwischen Abitur und Studium; erweitere den Horizont ungemein. Genauso wie Managing Director Roland Decorvet wünscht sie sich, dass mehr Deutsche auf der MS Africa Mercy anheuern. Eine prominente Mitfahrerin aus dem Heimatland hatte Katrin Westphal während ihres Arbeitsaufenthaltes in Madagaskar aber: Mit an Bord für die gute Sache war Schauspielerin Wolke Hegenbarth. Wer mehr wissen möchte, klicke bitte einfach www.mercyships.de an.