Ohne "große Welle" agieren

Caren Marks mit ihrer Mitarbeiterin Kirsten Riedel bei einer Führung durch den Deutschen Bundestag.Foto: O. Krebs

Bundestagsabgeordnete Caren Marks allein für den Wahlkreis in Berlin

Langenhagen/Wedemark (ok). Die Grashelme an der Bahnstrecke Hannover-Berlin kennt sie mittlerweile mindestens genauso gut wie die Bäume an denStraßen ihres Wahlkreises. Caren Marks (SPD) – seit acht Jahren Bundestagsabgeordnete – ist viel unterwegs, zum Verschnaufen kommt die agile Politikerin selten. Denn: Die Sozialdemokratin hat immer ein offenes Ohr für die Probleme der Bürgerinnen und Bürger im Gebiet zwischen Wunstorf und Burgdorf. Seit Ende vorigen Jahres ist Marks Einzelkämpferin, die Oppositionspolitikerin vertritt den Wahlkreis – insgesamt acht Kommunen im Norden Hannovers – allein. Eine Menge Aufgaben fallen bei ihrem Job sowohl in der Heimat – Marks lebt in der Wedemark – als auch im Wahlkreis an. Aufgaben, die nach ihrer Ansicht oft nicht so wahrgenommen würden, vielmehr mokierten sich die Bürgerinnen und Bürger oft über leere Plätze im Deutschen Bundestag. Aber: „Viel Arbeit laufe hinter den Kulissen, nicht im Plenarsaal“, macht die bald 47-Jährige bei einer ihrer Fahrten mit politisch Interessierten in Berlin deutlich. Nicht bei allen Abstimmungen müsse man im Plenarsaal sein, erläutert die familienpolitische Sprecherin der Sozialdemokraten im Deutschen Bundestag, die in den Fraktionsvorstand ihrer Partei aufgerückt ist. Und gerade in der Opposition könne sie sich über mangelnde Beschäftigung nicht beklagen. „Wir müssen Alterrnativen zur Regierungspolitik aufzeigen; die Menschen müssen es dann bewerten“, ist Caren Marks überzeugt. In Anträge könne man allerdings nur das fordern, was man auch umsetzen könne.
Langeweile kommt bei Caren Marks selten auf – 23 Wochen ist sie allein bei Sitzungswochen in Berlin gebunden. Von Dienstag bis Freitag herrsche dort Präsenzpflicht, fast immer reise Marks aber schon am späten Sonntagabend an, weil Montag Besprechungen in der Fraktion anstünden. Und auch am Wochenende und in der plenarfreien Zeit habe sie im gesamten Wahlkreis gut zu tun, sei viel unterwegs und müsse sich private Termine regelrecht freischaufeln. Ganz wichtig sei ihr bei ihrer Arbeit der direkte Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern. Dabei helfen ihre viele Praktika – so hat Caren Marks schon den Kundinnen und Kunden in einer Konditorei das Leben versüßt, bei der Pestalozziwerkstatt in Burgwedel mitgearbeitet und ist einen Ein-Euro-Job bei einer Möbelwerkstatt in Garbsen angetreten. „Ich tauche dann immer in Lebenswelten ein; die Erfahrungen nutzen mir viel für meine Arbeit“, sagt Caren Marks, der es gewaltig auf die Nerven geht, wenn gerade bei den Schwächsten der Gesellschaft der Rotstift angesetzt werde. Für sie ist es wichtig, nicht die „große Welle“ über die Medien zu machen, sondern eher geräuschlos zu agieren. So sei es ihr zum Beispiel gelungen, zum Erhalt des Fliegerhorstes Wunstorf beizutragen.
Mindestens zwei Mal im Jahr lädt Caren Marks Besuchergruppen aus dem Wahlkreis für zwei Tage nach Berlin ein; dazu kommen eintägige Fahrten für Schulklassen. Gerade jetzt hatte sie 50 Bürgerinnen und Bürger aus ihrem Wahlkreis in die Bundeshauptstadt eingeladen, um zwei Tage lang das politische Berlin zu erkunden. Dazu gehörte natürlich eine Führung durch das Reichstagsgebäude, wo Marks ihre Arbeit als Abgeordnete vorstellte.
Nach einer Besichtigung des Bundeskanzleramtes und einem Besuch der Willy-Brandt-Ausstellung ging es dann aufs Wasser: Eine Fahrt auf der Spree eröffnete neue Perspektiven. Die Bildungsfahrt endete am zweiten Tag am Berliner Wannsee. Im Haus der Wannseekonferenz wurde eindrucksvoll dieses besonders düstere Kapitel deutscher Geschichte erläutert. Bei der vorhergehenden Stadtrundfahrt hatten auch Berlin-Kenner viel Neues erfahren, denn die Bundeshauptstadt - darin waren sich alle einig - verändere sich ständig.
Caren Marks, die die Gruppe begleitete, freute sich über den Besuch aus dem Wahlkreis: „Das Interesse meiner Gäste war groß, der Austausch mit ihnen ist für meine Arbeit wichtig und macht auch Spaß.“
 Foto: Caren Marks mit der Besuchergruppe auf der Reichstagskuppel