Olympische Spiele mitten im Herzen der Stadt

Diskutierten intensiv über den Leistungssport (von links): Andreas Toba, Reinhard Rawe und Jan Sadler. (Foto: O. Krebs)

Landessportbund-Chef Reinhard Rawe schätzt Hamburgs Chancen für die Bewerbung ein

Langenhagen/Wedemark (ok). Niedersächsische Spitzensportler zu Gast beim Rotary-Club Langenhagen-Wedemark, bei dem an jedem montäglichen Treffen ein Vortrag zu sehen und zu hören ist: Turner Andreas Toba und Rollstuhlbasketballer Jan Sadler standen im Interview mit Reinhard Rawe, Vorstandsvorsitzender des Landessportbundes und zugleich Rotarier aus Bissendorf. Auch Sadler kommt übrigens aus der Wedemark, genauer gesagt aus Elze-Bennemühlen. Der 22-Jährige hat ein erfolgreiches Jahr hinter sich, nicht nur sein Abitur bestanden, sondern mit der Herrennationalmannschaft auch eine Bronzemedaille bei den Europameisterschaften geholt. Im nächsten Jahr geht es für den Behindertensportler, der einige Jahre im Internat des Landessportbundes gelebt hat, dann zu den Olympischen Spielen nach Rio de Janeiro. Nach Brasilien will auch der erfolgreiche Kunstturner Andreas Toba, der bereits mit drei Jahren mit dem Sport begonnen hat und schon bei den Olympischen Spielen 2012 in London dabei war. „Wenn ich daran denke, bekomme ich heute noch eine Gänsehaut“, so Toba rückblickend. Olympische Spiele – für viele Sportlerinnen und Sportler ist die Teilnahme das Lebensziel schlechthin, und in neun Jahren sollen sie quasi direkt vor unserer Haustür über die Bühne gehen. Deutschland hat sich mit Hamburg für die Olympischen und auch Paralympischen Spiele im Jahr 2024 beworben, tritt damit gegen namhafte Bewerberstädte wie Budepest, Rom, Paris und Los Angeles an. Aber Reinhard Rawe räumt der Hansestadt gute Chancen ein, nicht zuletzt, weil sie ein schlüssiges Konzept vorlege, das auf Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit setze. Olympia stehe für Sport und Fitness, Engagement, sozialen Nahraum und Netzwerkarbeit. Reinhard Rawe: „Die Spiele gehen mitten im Herzen der Stadt über die Bühne, bestehende Sportstätten werden eingebunden, Traditionsstandorte verkörpern eine Identifikation mit der gesamten Stadt. So stehe Hamburg auch für Barrierefreiheit und kurze Wege. Auch die Finanzierung sei durchdacht: Das Gesamtvolumen liege bei 11,2 Milliarden Euro, davon trage Hamburg – als Stadtstaat zugleich auch Land – 1,2 Milliarden Euro, der Bund 6,2 Milliarden Euro, das Internationale Olympische Komitee (IOC) 6,2 Miliarden Euro sowie Sponsoren 2,8 Milliarden Euro. Doch, ob überhaupt eine Bewerbung auf den Weg gebracht wird, hängt von einem Bürgerschaftsreferendum ab, das am 29. November läuft; die Briefwahl bereits seit Anfang des Monats. Die Hürden: 20 Prozent Wahlbeteiligung und 260.000 Ja-Stimmen. Der Landessportbund in Niedersachsen fördert den Leistungssport bereits mit mit 6,26 Millionen Euro in diesem Jahr. Reinhard Rawe: „Wir erwarten von Olympia eine gesellschaftliche Wahrnehmung und Wertschätzung des Leistungssports sowie eine dauerhafte Förderung.“ Die olympischen Sportarten sollen in den Medien mehr berücksichtigt, die Talentsuche in den Schulen forciert und die Nach-Karriere-Grundversorgung gesichert werden. Denn das Salär der olympischen Spitzensportler sei während der aktiven Zeit nicht gerade üppig. Rawe hofft auf eine Unterstützung durch die niedersächsische Wirtschaft und eine Verbesserung der Sportinfrastruktur. Und was den Schulsport angehe, hier gebe es noch eine Menge Nachholbedarf. Auf jeden Fall kämen die Olympischen Spiele aber auch ein bisschen nach Niedersachsen, denn die Reiterwettkämpfe finden auf jeden Fall auf der bewährten Anlage in Luhmühlen statt. Ob die Schießwettkämpfe in Garlstorf über die Bühne gehen, wird derzeit noch geprüft. Auch Sportstätten für die Vorrunde der Mannschaftssportarten wie Volleyball, Handball und Basketball könnten auf niedersächsischem Gebiet liegen.