Zu alt, zu deutsch, zu männlich?

Gleichstellungsbeauftragte fordern mehr Frauen in Spitzenpositionen

Region. Das Fehlen von Frauen in deutschen Aufsichtsräten ist schon seit langem ein auch öffentlich diskutiertes Thema. Spitzenpositionen sind in Deutschland nach wie vor fest in der Hand von Männern – beim Anteil von Frauen in Managementpositionen liegt Deutschland im europäischen Vergleich eher am unteren Ende der Skala.
Zum Internationalen Frauentag am 8. März setzt sich die Arbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten in der Region Hannover deshalb mit Nachdruck für gesetzliche Vorgaben zur Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten ein.
Aufsichtsräte überwachen die Geschäftsführung sowie die Bestellung des Vorstandes eines Unternehmens. Wichtige unternehmerische Planungen und Entscheidungen müssen häufig dort genehmigt werden, somit kommt einem Sitz in diesem Entscheidungsgremium größte Bedeutung zu.
Der Frauenanteil in deutschen Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen beispielsweise betrug im vergangenen Jahr lediglich zehn Prozent, nur jedes zehnte Aufsichtsratmandat war also mit einer Frau besetzt. Die Gleichstellung in Sachen Geschlechterverteilung in einflussreichen Spitzenpositionen befindet sich also nach wie vor in weiter Ferne.
„Bei der Region Hannover gibt es aber auch positive Beispiele, die zeigen, dass Frauen in Aufsichtsräten keine Randerscheinung mehr sind“, erklärt Petra Mundt, Gleichstellungsbeauftragte der Region Hannover. „Doch insgesamt besteht auch hier großer Handlungsbedarf. Gleichstellung bleibt ein Schlüsselthema, das nicht vor den Toren der Aufsichtsratgremien Halt machen darf.“
„Wir machen uns dafür stark, Frauen auf ihrem Weg in die Aufsichtsräte zu fördern. Es wird Zeit, dass Frauen, wie überall im Leben, auch dort vertreten sind, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden“, ergänzt Anne Kirchenbüchler, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Langenhagen.
In der EU findet derzeit ein Wettlauf um die optimalen Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils im Spitzenmanagement statt. Bereits vor einigen Jahren hat Norwegen vorgemacht, wie es geht. Die gesetzliche Regelung zur Einführung einer Mindestquote von 40 Prozent Frauen in den Aufsichträten ist dort mittlerweile erfüllt; das seit 2006 geltende Gesetz wird von Regierung und Wirtschaft als Erfolg gewertet.
In Deutschland scheiterte 2001 die Initiative für eine gesetzliche Regelung nach dem norwegischen Modell. Die stattdessen erzielte freiwillige Vereinbarung mit den Spitzenverbänden der Privatwirtschaft blieb wirkungslos. Nun ist im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ein Stufenplan vorgesehen, der insbesondere die Erhöhung des Anteils von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten anstrebt. Die Konkretisierung steht für März auf der Tagesordnung.
Die Arbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten fordert die Einführung einer Geschlechterquote für Aufsichtsratgremien als wichtige und effektive Strategie, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen.