Der Niedergang eines Traditonsvereins

Der Namensgeber dieses Fanprotestes Michael Kauke ging Anfang des Jahres - die Oberligafußballer folgen ihm im Sommer.Archivfoto: R. Thode

Unprofessionalität ist schon seit Jahren bekannt

Langenhagen (rt). Im Kabinentrakt riecht es nach Massageöl. Kekse, Gebäck, warme und kalte Getränke stehen fein säuberlich aufgereiht in der Mannschaftskabine. Trainer Ulrich Pigulla gibt letzte Anweisungen. Die Spieler hören aufmerksam zu. Es herrscht Hochspannung. Der SC Langenhagen ist bereit. Draußen im Walter-Bettges-Stadion warten mehr als 1.000 Besucher und fiebern der alles entscheidenden Partie entgegen. Was dann auf dem Feld geboten wird, ist Leidenschaft pur. Mit dem letzten Angriff erlöst Patrick Werner seine Mannschaft gegen den direkten Kontrahenten aus Einbeck. Tränen fließen, der SC Langenhagen hält die Klasse.
Dies ist knapp zehn Jahre her. Und heute...ist der ehemalige Viertligist am Ende angekommen. Ab der Saison 2013/2014 hoffen die Verantwortlichen auf einen Neustart in der 3. Kreisklasse. Die 2. Mannschaft wird dann auf einmal zur 1. Herren. Die Nachricht vom neuen Abteilungsleiter Holger Kunze war so brutal wie eindeutig. Es fehlen die finanziellen Mittel um im gehobenen Leistungssport spielen zu können. Eine Etatlücke von 30.000 Euro kann nicht zu großen Teilen aus Mitgliedsbeiträgen finanziert werden. Die Jugendarbeit wird zukünftig forciert, Sponsoren stehen kurzfristig nicht zur Verfügung. Ein Traditionsverein verschwindet aus der öffentlichen Wahrnehmung. Insgesamt spielten die Mannen um Patrick Werner drei Jahre im Grenzbereich des Profitums. In der ewigen Tabelle der fünften Liga ist der SCL ganz vorn dabei. Nicht nur Spieler wie Manfred Bender, Dirk Schuster oder auch Valdas Ivanauskas liefen für den Gegner im einstmals schicken Stadion an der Leibnizstraße auf. Auch der SCL war Anlaufstelle für ehemalige Profis. Martin Groth, André Breitenreiter und Charles Akonnor hatten im Bundesligaalltag so manch hartes Gefecht ausgetragen, um dann im Herbst ihrer Karriere in Langenhagen die Stiefel zu schnüren. Doch warum sind dies Erinnerungen, die schon so weit entfernt scheinen? Hannover 96 hat sich vor knapp eineinhalb Jahren strecken müssen um 4:1 zu siegen, selbst ein 0:0 erspielte sich der SCL schon einmal gegen die Roten. Eintracht Braunschweig, demnächst in der höchsten deutschen Spielklasse vertreten, musste lange um den 2:1-Pokalsieg zittern. Wie kommt es, dass der SCL seinen Ruf als sportliches Aushängeschild der Stadt so leichtfertig aufs Spiel setzt? Dass sich Kunze als Totengräber sieht, ehrt ihn, sollte ihn aber nicht länger aufhalten. Die Sargnägel haben andere eingeschlagen! Immer wieder neue Vorstände, Abteilungsleiter und handelnde Personen, deren Eitelkeiten und Profilneurosen zum großen Ärgernis wurden. Was ist geblieben von der Euphorie der Pigulla-Jahre? Den Vorwurf des Beamtenfußballs musste er sich oftmals gefallen lassen. Dochmehr als elf lange Jahre hatte sich der ehemalige Regionalligaspieler Erfolg und Anerkennung hart erarbeitet. Er und auch der umtriebige Geschäftsmann Stefan Pralle haben oftmals die Unprofessionalität im Umfeld der 1. Herren angeprangert. Pralle holte als Manager später Ex-Profi Martin Groth mit ins Boot. Sie legten den Finger in die Wunde, als der Verein erfolgreich war. Geändert hat sich jedoch nichts. Ein Grund für die Drei, ihre Posten sehr überraschend zur Verfügung zu stellen. Pigulla leistet nun in Burgdorf gute Arbeit, Pralle steht für den Erfolg des Regionalligisten TSV Havelse. Warum wendet sich bei vielen und nicht beim SCL das Blatt zum Guten? Die letzten Jahre hing man schon am Tropf, die Nachricht vom vergangenen Montag, sinnigerweise der 1. April, war überfällig und aus der Sicht des Gesamtvereins nachvollziehbar. Aber musste es so weit kommen? Dass Geld allein nicht glücklich macht, ist allseits bekannt und im Amateursport nicht das Maß aller Dinge. Hier kann es sich nur um eine Schutzbehauptung handeln. Und für die Jugendlichen wurde sich seit jeher eingesetzt. Viele ehemalige SCL-Jugendspieler haben den Sprung in höherklassige Herrenmannschaften geschafft. Also, woran krankt es beim SC Langenhagen? Ihm fehlt es an Kümmerern. An Machern mit einem einheitlichen Konzept, einer Idee, einem Strang, an dem alle ziehen. Solange der Verein von starken Männern wie Wilfried Wulf, Horst Hillmann, Stefan Pralle oder Ulrich Pigulla geführt wurde, konnten manche Schwächen überdeckt werden. Einsatzbereitschaft, Idealismus, Teamgeist und ein gehöriger Schuss Altruismus hätten den handelnden Personen gut zu Gesicht gestanden, um ein erfolgreiches Miteinander zu gewährleisten. Doch am Ende verständigte man sich sicherheitshalber nur noch per Mail. Wo ist das Hallenturnier geblieben, das Spargelessen mit Sponsoren, das Vereinsheftchen und, und, und? Wenn sich jemand darum kümmert und ein Netzwerk aufbaut, dann ist auch mit wenig Geld einiges möglich. Doch über Jahre war vielen der eigene Ruf wichtiger als der Erfolg des Aushängeschildes. Jetzt muss sich niemand mehr kümmern. Die Stadt Langenhagen braucht neben dem Flughafen einen neuen Imageträger. Und der Oberliga wird der SC Langenhagen künftig fehlen.