Neuer Ärger

Langenhagen (kr). Der Ärger in der Sitzung des Finanz-, Wirtschafts- und Personalausschusses am vergangenen Montag war vorprogrammiert. Da Regine von der Haar ihren Bericht zum Thema "Pferdestärken" so spät fertiggestellt hatte, dass sie ihn den Ratsmitgliedern erst während der Sitzung übergeben konnte, fielen letztlich die mit Spannung erwarteten Drucksachen der politischen Parteien zum Thema "hauptamtliches Stadtmarketing" unter den Tisch. Diese Diskussion soll es nun zu einem späteren Zeitpunkt geben. Unter dem Titel "Für ein neues Stadtmarketing in Langenhagen - Konzept zur Entwicklung neuer nachhaltiger Strukturen auf der Basis des EU-Projektes Pferdestärken" stellte so nur die zuständige Projektleiterin Regine von der Haar zum Sitzungs-Auftakt ihre aktuelle Einschätzung in Sachen Stadtmarketing vor. Sie durchleuchtete dabei unter anderem den Sinn und Nutzen von Stadtmarketing, die Erfahrungen aus der Vorgeschichte des Stadtmarketing-Vereins sowie das eigene EU-Projekt und die Entwicklungsmöglichkeiten daraus. Langenhagen habe von jeher Probleme, seine Stärken adäquat zu kommunizieren, die Bevölkerung für eine Identifikation mit der Heimatstadt zu gewinnen. Obwohl "grüne Stadt" mit einer Fülle von reizvollen Landschaftselementen, exzellenter Gastronomie und herausragenden Freizeitmöglichkeiten gelte Langenhagen auch innerhalb der Region nicht als Ort, den man für eine attraktive Freizeitgestaltung besucht. Hier müsse viel getan werden. "Es muss aber auch verstanden werden", so betonte Regine von der Haar, "dass es zum Gelingen des Stadtmarketings eines Kulturwandels bedarf, in der Stadtverwaltung und teils auch in der Politik." Ein erfolgreiches Stadtmarketing umfasse die gesamte Stadt, die Umsetzung dürfe nicht überall gleichzeitig anfangen und Versprechungen machen, sondern müsse konzeptionell vorgehen und schrittweise den Anforderungen gerecht werden. "Die Akteure des EU-Projektes Langenhagen sind bereit", so heißt es in dem Bericht abschließend, "diese Aufgabe anzugehen, damit Langenhagen ein erfolgreiches Stadtmarketing bekommt."
Eigentlich sollten nun die Fraktionen von SPD und den Grünen einerseits und die Fraktionen und Gruppen CDU, SVG, ULG und BBL andererseits ihre Sitzungsdrucksachen zum Thema "Hauptamtliches Stadtmarketing" zur Abstimmung vortragen. Doch daraus wurde nichts. Zu Recht stellten die Ratsmitglieder fest, die neunseitigen Ausarbeitungen der Projektleiterin erst durcharbeiten müssten, um darüber diskutieren zu können. In ihre beiden Drucksachen hatten die Parteien das EU-Projekt allerdings schon einbezogen. CDU-Fraktionschef Mirko Heuer räumte zwar ein, dass sich die Marke "Pferdestärken" immerhin in Langenhagen etabliert habe, ließ aber keinen Zweifel daran, dass man das EU-Projekt für erfolgreiches Marketing nicht benötige. Ganz anders SPD und Grüne. Sie betonten, dass das Stadtmarketing aus dem EU-Projekt Pferdestärken entwickelt werden müsse, um zu einem zukunftsorientierten Konzept mit der Stadt zu kommen. Obwohl die beiden Anträge praktisch vom Tisch waren, liefen die Scharmützel vor allem zwischen den beiden großen Parteien weiter. Das Angebot von Marc Köhler, sich mit der CDU an einen Tisch zu setzen – "wir sind doch gar nicht so weit auseinander" - , um ein gemeinsames Papier zu erarbeiten, stieß bei Mirko Heuer auf wenig Gegenliebe. Im Vorgriff auf seinen Antrag unterstrich er, dass sein auch von SVG, ULG und BBL getragenes Konzept weit über die Vorstellungen der SPD und der Grünen hinausgehe. Von einer Annäherung zwischen den beiden Seiten könne bisher keine Rede sein.
Bürgermeister Friedhelm Fischer sprach dann so etwas wie ein Machtwort. Man müsse sich unbedingt interfraktionell an einen Tisch setzen, um zu Übereinstimmungen zu kommen. Fischer unterstrich aber auch, dass die Stadt auf keinen Fall Marketing-Fachleute stellen könne. Wer sie haben wolle, müsste sie auch einkaufen.Nichts Erfreuliches hatte Fischer aus Gesprächen mit Fachleuten aus dem Hochschulbereich zu berichten. Die alten Langenhagener Stadtmarketing-Konzepte seien nicht wert, so musste der Bürgermeister anhören, weiter entwickelt zu werden.