107 Tulpen als Geschenk

Schwiegersohn Dieter Leske (von links), Tochter Christa Leske, Bürgermeister Friedhelm Fischer, Pastorin Isabell Schulz-Grave und Enkelsohn Gunnar Leske gratulieren Maria Kiehl (vorne) zum 107. Geburtstag.Foto: D. Thiele

Hochbetagte Maria Kiehl feierte ihren Geburtstag

Langenhagen (dt). Als Maria Kiehl am 4. Februar 1905 in Ostpreußen geboren wurde, regierte Kaiser Wilhelm II. Deutschland, und der Mediziner Robert Koch erhielt in ihrem Geburtsjahr den Nobelpreis. 107 Jahre später feierte die Seniorin mit ihrer Familie am Sonnabend ihren Geburtstag im Seniorenheim Bachstraße.
Mit 18 Jahren war Maria Kiehl nach Solingen gezogen, hatte geheiratet und fünf Kinder bekommen. 1945 wurde ihr Ehemann von den Nazis umgebracht, und die junge Frau musste sich mit ihren kleinen Kindern, von denen zwei Zwillingspärchen waren, allein durchschlagen. Das Bauernmädchen konnte zunächst in einer Krankenhaus-Wäscherei aushelfen und bekam dann eine Arbeitsstelle im Privathaushalt eines Industriellen. In den 70er Jahren kam sie nach Langenhagen und bezog dort eine Wohnung im Haus ihrer Tochter Christa und ihres Schwiegersohns Dieter Leske. Geprägt wurde Maria Kiehls Leben stets von ihrem Glauben an Gott. „Meine Mutter ist eine ganz fromme Frau, sie hat täglich viel in der Bibel und in den Predigten gelesen“, sagt Christa Leske. Mit 100 Jahren sei sie noch regelmäßig mit Bekannten nach Hamburg zur Kirche gefahren. War sie ihr Leben lang gesundheitlich immer fit, so ließen in den vergangenen Jahren jedoch ihre Kräfte nach. Maria Kiehl sitzt im Rollstuhl, ist nahezu blind und an viele vertraute Gesichter kann sie sich nicht mehr erinnern. Seit vier Jahren lebt sie im Seniorenheim Bachstraße und Christa Leske ist sich sicher, dass ihre Mutter ohne die hervorragende Betreuung dort nicht mehr am Leben sei. Nie unzufrieden mit ihrem Leben sei sie gewesen. „Bis zum letzten Sommer brauchte sie keine Medikamente, und das, obwohl sie immer gerne ostpreußisch fett gegessen hat“, schmunzelte Leske.
107 Tulpen bekam das Geburtstagskind von ihren Kindern und Enkeln aus Langenhagen geschenkt und dabei strahlte sie vor Freude über das ganze Gesicht. Bürgermeister Friedhelm Fischer überreichte im Namen der Stadt Langenhagen eine Flasche Sekt und vor zwei Jahren hätte Maria Kiehl sogar einen Geburtstagsbrief vom Bundespräsidenten erhalten. „Auch das noch“, sei damals ihre Reaktion gewesen. „Meine Mutter will noch nicht sterben. Sie glaubt daran, dass der liebe Gott ihr Leben lenkt.“