130 Einsatzkräfte rückten an

Die Einsatzkräfte hatten bei der Übung am Bahnhof Pferdemarkt mit besonderen Gefahren zu tun. (Foto: S. Bommert)

Stadtübung 2016 am Bahnhof Pferdemarkt

Langenhagen. Am Montagabend wurde die Ortsfeuerwehr um 18.49 Uhr zum Güterbahnhof am Pferdemarkt alarmiert. Das Alarmstichwort lautete: "Hilfeleistungseinsatz mit Menschengefährdung" - eine Übung, die dem Szenario folgend insgesamt 130 Einsatzkräfte einband.
Folgendes Unfallgeschehen wurde für die Übung simuliert: Aus unbekannten Gründen hatte ein Güterzug bei der Durchfahrt durch den Bahnhof Langenhagen-Pferdemarkt die letzten beiden seiner Waggons verloren. Der Triebzugführer eines kurz darauf folgenden Personenzuges erkannte das Hindernis zu spät: Trotz sofort eingeleiteter Schnellbremsung kommt es zur Kollision. Reisende alarmieren daraufhin eigenständig die Einsatzkräfte. Einsatzleiter Jens Heindorf konnte nach seinem Eintreffen einen in Brand geratenen Güterwaggon feststellen. Die sich entwickelnden Rauchgase hüllten den Personenzug ein - etwa zehn Personen waren unterschiedlich schwer verletzt in den Waggon eingeschlossen. Die Einsatzstelle wurde durch Jens Heindorf in zwei Abschnitte eingeteilt: Abschnitt eins - Menschenrettung und Brandbekämpfung Personenzug; Abschnitt zwei - Güterwaggons mit austretenden chemischen Stoffen.
Ferner wurde durch ihn die höchste Alarmstufe im Bereich der technischen Hilfeleistung ausgerufen und alle Ortsfeuerwehren der Stadt Langenhagen alarmiert. Zusätzlich wurde bedingt durch die Vielzahl an Verletzten das rettungsdienstliche Stichwort „Massenanfall an Verletzten“ festgelegt. Im Abschnitt eins verschaffte sich ein Atemschutztrupp Zugang zum Erixx und begann mit der Rettung der eingeschlossenen. Die Geretteten wurden umgehend in die rettungsdienstliche Versorgung übergeben.
Ein weiterer Trupp führte eine Erkundung der beiden verunglückten Güterwaggons im Abschnitt zwei durch. Dabei konnte ein Brand in einem mit Paletten und Terpentin beladenen Waggon festgestellt werden. Mit Auffinden der Ladungspapiere des zweiten Güterwaggons konnte festgestellt werden, welche gefährlichen Stoffe geladen waren – Natriumchlorat und radioaktive Versandstücke. Aus dem Waggon trat farblicher Rauch aus. Fachberater Carsten Brosch gab zur Gefährdungslage seine Einschätzung ab und legte zusammen mit dem Abschnittsleiter das weitere Vorgehen im Hinblick auf die Gefahrstoffe fest. Weitere Trupps wurden nun eingesetzt, um das Feuer zu bekämpfen, die Gefahrstoffe zu sichern und verschiedene Messungen durchzuführen.
Im weiteren Verlauf konnten drei Kinder auf einem zehn Meter hohen Portalkran entdeckt werden. Sie hatten sich unberechtigt auf dem Bahngelände aufgehalten und sind durch Gase auf dem Portalkran bewusstlos zusammengesackt. Sie wurden durch Einsatzkräfte gesichert und zu Boden gelassen. Insgesamt wurden 14 Verletzte gerettet. Das Szenario der Verletzten wurde durch Mitglieder der Ortsfeuerwehr Bissendorf gestellt. Um 21 Uhr war die Übung beendet - so der Bericht von Feuerwehrsprecher Stephan Bommert. Seine Zusammenfassung: "Im Ergebnis zeigte die Übung einige kleinere Mängel auf, die teilweise dem Übungscharakter geschuldet waren. Zum Beispiel konnten die Türen des Personenzuges erst verzögert geöffnet werden. In der Realität hätten die Türen oder auch Fenster gewaltsam geöffnet werden können." An der durch Stadtausbildungsleiter Uwe Köpke ausgearbeiteten Übung waren 124 Einsatzkräfte mit 21 Fahrzeugen beteiligt. Von der Johanniter Unfallhilfe Langenhagen waren sieben Helfer mit drei Fahrzeugen vor Ort.