5P Energy bohrt in Schulenburg nach Gas

Zwei der fünf gesellschafter von 5P Energy: Ullrich Wältken (links) und Gerd Ripken vor der Bohranlage. (Foto: G. Gosewisch)
 
Bohrgerät an der Desbrocksriede. (Foto: G. Gosewisch)

Grundey: "Unerhört, Ortsrat weiß von nichts"

Schulenburg (gg). Die Firma 5P Energy GmbH, ein mittelständisches Unternehmen mit Sitz in Langenhagen, bohrt seit Freitag, 2. November, in Schulenburg-Süd auf einer Ackerfläche an der Desbrocksriede nördlich der Autobahnen A2 nach Gas. Das geförderte Erdgas soll später vor Ort verstromt werden.
5P Energy ist ein Zusammenschluss aus fünf regionalen Firmen und Experten mit den Tätigkeitsschwerpunkten Geologie, Lagerstättentechnik, Verfahrenstechnik, Tiefbohrtechnik und Betriebsführung und beschäftigt im Verbund ca. 250 Mitarbeiter. Die Geschäftsidee von 5P Energy ist die Identifizierung, Erkundung, Förderung und Vermarktung von Erdöl- und Erdgasreserven in der Bundesrepublik Deutschland.
In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre wurde der Erdgasspeicher Engelbostel aufgegeben und verfüllt. Aus technischen und wirtschaftlichen Gründen war es damals nicht möglich, das eingespeicherte Erdgas komplett zurück zu fördern. Das verbliebene Restgas im Untergrund ist das Erkundungsziel von 5P Energy; die Experten gehen von einem Volumen von etwa 115 Millionen Kubikmeter aus.
„Es ist geplant, eine Bohrung von etwa 220 Meter Tiefe in unmittelbarer Nähe des Gewerbegebietes Schulenburg-Süd abzuteufen, um das Restgasvolumen zu überprüfen“, erklärt Ullrich Wältken, Geschäftsführer von 5P Energy. Die Bohrdauer werde ca. zwei bis zweieinhalb Wochen dauern. Danach wird die Bohranlage wieder demontiert und abtransportiert.
Die Durchlässigkeiten der gasführenden Schichten sind gut bekannt und aus Sicht der Experten ausreichend groß, um eine Gasproduktion zu ermöglichen. Fracking ist bei dieser Maßnahme nicht erforderlich. Darüber hinaus betont Wältken, dass die Bohrung mit einer Süßwasser-Tonspülung ausgeführt wird, die grundwasserführende Horizonte nicht schädigt.
Im Erfolgsfall wird auf dem Bohrplatz ein, in einem Container installiertes, schallgedämmtes Blockheizkraftwerk erstellt, das zu fördernde Gas vor Ort verstromt und ins öffentliche Netz eingespeist. Die Unternehmensleitung geht derzeit von einem Förderzeitraum von etwa 10 Jahren aus. Das geschätzte Investitionsvolumen beträgt 2 bis 2,5 Millionen. Euro.
Nach Abschluss der Förderphase wird die Bohrung verfüllt, werden die Anlagen zurückgebaut und die Bohrplatz- bzw. Betriebsfläche rekultiviert.
Im Gespräch mit dem ECHO weist Wältken auf die umfangreichen und zeitintensiven Genehmigungsverfahren hin, die im Vorfeld des Bohrbeginns abgelaufen sind: "Vor etwa zwei Jahren haben wir die ersten Gespräche mit Stadtbaurat Carsten Hettwer geführt. Unter den Vorgaben des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie, LBEG, war auch die Region Hannover, insbesondere in Bezug auf den Umweltschutz, im Genehmigungsverfahren beteiligt." Dass die Bohrung nun auf diesem Grundstück beginnt, sei eine Entscheidung im Planungsverfahren gewesen. "Technisch optimaler wäre die Bohrung von der Südseite der A2 aus, aber dort hätte man nur eine Fläche nutzen können, die im Naturschutzgebiet liegt. Eigentümerin der Fläche in Schulenburg ist die Godshornerin Hilde Rocker, 5P Energy hat einen Pachtvertrag auf 20 Jahre für 1.200 Quadratmeter.
Völlig überrascht äußert sich Ortsbürgermeister Dietmar Grundey: "Es ist unerhört, dass der Ortsrat von der Stadtverwaltung dazu keine Informationen bekommen hat."