800 Druidenfüße im Stadtgebiet

Gut zu erkennen sind die Misteln an der Clara-Schumann-Straße. (Foto: G. Gosewisch)

Mistel-Vorkommen in 20 Jahren verachtfacht

Langenhagen (gg). „Kaltenweide scheint ein guter Lebensraum zu sein“, meint der promovierte Botaniker Heinz Jansen beim Blick auf seine Mistel-Statistik. Verachtfacht hat sich die Anzahl befallener Bäume in den vergangenen 20 Jahren im gesamten Stadtgebiet. Entlang der Clara-Schumann-Straße im Weiherfeld sind sie in ihrer Vielzahl je Baum nicht zu übersehen.
Seit 1996 zählt Heinz Jansen das Vorkommen der Misteln in Langenhagen. Es sind Halbparasiten, die die Fantasie der Menschen seit mehr als 2.000 Jahren beflügeln. Der bekannteste Mythos ist aus der Zeit der Römer überliefert. Demnach sollen die Priester der Gallier, die Druiden, Bäume mit Misteln als heilig verehrt haben. Kein Wunder also, dass auch kein Asterix-Comic ohne Erwähnung der Misteln, hier als Rohstoff für den Zaubertrank, auskommt und die Misteln umgangssprachlich auch als Druidenfüße bezeichnet werden. Auffallend sind die Misteln jetzt im Winter allemal. Obwohl, der Jahreszeit entsprechend, die Natur in Grautöne gehüllt ist, strahlen die Misteln mit prachtvollem Grün, und als ob das noch nicht reicht, leuchten die weißen Beeren in der Wintersonne. Wo die Misteln im wahrsten Sinn des Wortes Fuß fassen, also eine Art Wurzel in ihren Wirtsbaum schlagen, hängt von den Launen der Natur ab. Noch kein Gärtner hat den Vorgang handwerklich herbeiführen können. So bleibt es Zufall, wenn ein Vogel die Samen auf einem Ast abstreift, nachdem er die Beeren gefressen hat und so die Geburtsstunde einer neuen Mistel schlägt. Die beachtliche Steigerung der Anzahl der Misteln in den vergangenen 20 Jahren gibt Heinz Jansen allerdings Rätsel auf, den Nachbarkommunen können das nicht bieten. Es bleiben nur Vermutungen zum Grund. Naheliegend ist die Annahme, dass die Bäume hier durch die Bodenbeschaffenheit und die entsprechende Nährstoff-Zusammensetzung in den Leitungsbahnen dem Mistelwuchs zuträglich sind.