90 Jahre Arzneien aus der Natur

Nach der Enthüllung der beiden Gliem-Tafeln (von links): Ute Biehlmann-Sprung. Gabriele Spier, Uta und Jürgen Bradtmöller, Willi Minne, Christa Röder und Björn Bradtmöller. Foto: K. Raap

Zwei neue Gliem-Schilder auf dem Anwesen der Repha

Godshorn (kr). Die Tafeln Nummer 63 und 64 wurden jetzt von der Arbeitsgemeinschaft „Gliem – Ganz Langenhagen ist ein Museum“ in der Straße Alt Godshorn 87 enthüllt. Unter dieser Adresse firmiert die Godshorner Repha GmbH, die seit knapp 90 Jahren biologische Arzneimittel vertreibt. Während das eine Schild die Entwicklung der Firma beschreibt, erläutert die andere Tafel die Geschichte des „Hofs Nr. 6 Gehle-Hahne“, die längst eng mit dem Unternehmen verbunden ist. Gegründet wurde die Repha als chemisch-pharmazeutische Fabrik von dem engagierten Heilpraktiker Friedrich Bradtmöller in Hannover-Vahrenwald. Ihm ging es darum, Präparate zu entwickeln, die den Patienten auf natürlich Weise helfen, ohne sie mit Nebenwirkungen zu belasten. Die Abkürzung Repha steht für die „Renaissance einzigartiger pflanzlicher Heil- und Arzneimittel“ nach dem Firmenleitspruch „Der Natur vertrauen“. Besonders bekannt wurde aus dem umfangreichen Programm das Erkältungsmittel Angocin. Nach der kriegsbedingten Zerstörung der Firmengebäude erwarb Bradtmöller in Godshorn 1947 die Hofstelle Hahne mit dem 5500 Quadratmeter großen Grundstück. Bereits 1951 erfolgte die erste Firmenpräsentation mit einem Ausstellungstand. 1974 kam es zu einer bedeutenden Erweiterung des Firmenkomplexes durch einen Neubau für moderne Labor- und Fabrikationsräume. Seit 1999 werden die Präparate außer Haus produziert. Die Qualitätskontrolle und der Vertrieb erfolgen weiterhin in und ab Godshorn. Die Wirksamkeit der Produkte basiert auf jahrzehntelanger therapeutischer Erfahrung und ist von der modernen Wissenschaft längst bestätigt.
Die Geschichte des Hofs Nr. 6 begann acht Jahrzehnte vor der Nutzung durch die Repha, als der Zimmermeister Heinrich Döpke hier ein Vierständerhaus für Jürgen Heinrich Gehle und dessen Ehefrau Dorothea Maria Biester errichtete. Die Bauweise zeichnet sich durch hohe Seitenwände und große Fenster aus und besteht aus einem separaten Wohn- und abgeschlossenen Wirtschaftsteil. Anfang des 20. Jahrhunderts übernahm Familie Hahne den Hof. Als in Evershorst 1934 ein Militärflughafen entstand und Hahne durch den damit verbundenen Verlust von Ackerflächen seine Existenz bedroht sah, verkaufte er den Hof an das Deutsche Reich und zog nach Laatzen-Grasdorf um. Im Krieg wechselte die Nutzung unter anderem auch zum Reichsarbeitsdienst. Soldaten mit ihren Familien prägten das Ortsbild. Der Hahne-Hof blieb vom Krieg verschont, so dass die Repha hier ausgezeichnete Voraussetzungen für ihren Betriebsausbau vorfand. Bis 1958 befand sich in einem Haus des Hofs übrigens die Gemeindeverwaltung. Anschließend entstand hier das Bürogebäude der Rehpha. Die Firma ist bis heute ein Familienunternehmen geblieben. Bei der Enthüllung der beiden Tafeln dabei waren auch Jürgen und Uta Bradtmöller aus der dritten Unternehmergeneration und der heutige Geschäftsführer Björn Bradtmöller aus der vierten Generation. Die Arbeitsgemeinschaft Gliem, die kontinuierlich ein virtuelles Museum aufbaut, wurde vertreten durch Joachim Vogler, Christa Röder und Gabriele Spier. Aufmerksame Beobachter aus dem Gemeinderat waren Ortsbürgermeister Willi Minne und seine Vertreterin Ute Biehlmann-Sprung. Die Texte der liebevoll gestalteten Plexiglas-Schilder können direkt vor Ort gelesen oder per QR-Code übernommen werden. Im Internet sind sie unter www.gliem-langenhagen.de einzusehen. Die Liste potenzieller Standorte ist inzwischen aus 130 Plätze angewachsen.