Aber dann …

Karl Ludwig Schmidt, Pastor
Als Kind, da wollte ich gerne Lokführer werden oder Straßenbahnfahrer. Ich konnte viele Stunden damit zubringen, Straßenbahn zu spielen. Ich holte mir einige Stühle und stellte sie mir in Reihen zurecht. Vorne saß ich und fuhr die Bahn. In der Phantasie war das alles möglich. Manchmal denke ich daran zurück wie es war, Kind zu sein. Doch ich tue das ohne Wehmut. Manchmal mit einem Lächeln und dem Gefühl: es war gut, was war. Jetzt ist es anders. Ich sehe das ähnlich nüchtern wie der Apostel Paulus. Der hat mal von sich geschrieben: „Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war.“
Paulus sagt das ohne Überheblichkeit. Die Einstellungen ändern sich. Das Leben schreitet voran, wir erkennen die Dinge anders. Ob wir immer besser dran sind als Erwachsene, das lasse ich mal dahin gestellt. Aber wir sind als Menschen auf dem Weg, sammeln Erfahrungen und werden hoffentlich immer etwas klüger daraus. Allerdings werden wir nie ganz begreifen und ermessen, was dieses Leben zusammen hält.
Heute bin ich ganz zufrieden damit, kein Lokführer zu sein. Ich arbeite gerne als Pastor. Ich bin auch dankbar für Entwicklungen in meinem Leben. Ich nehme schöne Erinnerungen mit. Paulus wusste: wenn es um’s Ganze geht, dann können wir Menschen sowieso nur ahnen, wie diese Welt funktioniert und wie sie zusammengehalten wird. Er lebte aber von einer großen Hoffnung, die auch mich trägt. Durch alle kleineren und größeren Entwicklungen hindurch sind wir auf dem Weg zu Gott, der nicht nur das Ganze im Blick hat, sondern auch mich kennt. Paulus drückt das so aus: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin!“ Zum Nachlesen: 1. Korinther 13, 11-12
Karl Ludwig Schmidt, Pastor