Abiturienten befragen Zeitzeugen

Silke Kaune und Renatus Deckert in der Autorenlesung in der Aula. (Foto: G. Gosewisch)

Clevere Fragen bei Autorenlesung zum Thema Mauerfall

Langenhagen (gg). Mit Blick auf die bevorstehenden Abitur-Prüfungen im Frühjahr hat Silke Kaune, Fachvorsitzende Deutsch am Gymnasium, für Schüler des zwölften Jahrgangs eine Autorenlesung zum Thema Mauerfall organisiert. „Das Thema könnte dran kommen und für die Schüler ist der Mauerfall reine Historie, denn zu der Zeit waren sie noch gar nicht geboren – so lange ist das schon her.“ Daher sei das Gespräch mit einem Zeitzeugen um so wichtiger, um das Thema zu verstehen. Der Autor des Buches „Die Nacht, in der die Mauer fiel“ ist Zeitzeuge: Renatus Deckert war beim Mauerfall zwar erst zwölf Jahre alt, vervollständigte seine Erinnerungen aus Jugendlicher aber in den vergangenen Jahren mit Sichtweisen von Wegbegleitern und Autoren aus Ost und West. Beiträge der Autoren sind in seinem Buch zusammengefasst. Deckert berichtete in der Aula von eigenen Eindrücken und Erfahrungen als gebürtiger Dresdener, dem gesellschaftlichen Umbruch, den Missständen und dem Unrecht in der DDR, den Ängsten der Flüchtlinge auf dem Weg zur Prager Botschaft und vieles mehr. „Nur 15 Prozent der Haushalte hatten Telefon und in Dresden konnte kein West-Fernsehen empfangen werden“, erklärte er. Die Demonstranten, die für Meinungsfreiheit und gegen politische Bevormundung auf die Straße gegangen sind, haben nach seiner Einschätzung nicht geahnt, dass die DDR zerfallen würde. „Das war undenkbar, wie die Reisefreiheit“, so seine Einschätzung. Ob er mit seiner Sichtweise in Diskussionen mit Andersdenkenden schon angeeckt sei, war eine der Fragen unter den Schülern, und ob er Anfeindungen als Ossi im Westen erlebt habe, eine weitere, die aufzeigten, wie tiefgründig das Thema diskutiert werden kann, denn Deckert bestätigte: „Ich wurde schon beschimpft von Menschen, die die DDR als gut erlebt haben. Es kommt immer auf die Sichtweise an.“