Achtung vor nationaler Identität

Vorsitzender Eckhard Keese (Mitte) im Gespräch mit dem Leiter für EU-Angelegenheiten der Region Hannover, Andreas Listing und dem Gründer der Senioren Union Langenhagen, Otto-Ehrhardt Schulz nach dem Vortrag über die EU heute. Foto: E. A. Nebig

EU-Experte Andreas Listing vermittelte viel Wissen

Langenhagen (ne). Vor sieben Jahren wurde die Senioren Union Langenhagen gegründet, gehört seitdem zur bundesweit agierenden Senioren-Vereinigung der CDU Deutschland. Diese will über ihre örtlichen Zusammenschlüsse Partner der älteren Generationen sein. In diesem Sinne arbeitet auch die „Senioren-Union, Stadtvereinigung Langenhagen“, die von Eckhard Keese geleitet wird. Er setzt die gesellschaftspolitische Informationsarbeit seines Vorgängers im Amt, Otto-Ehrhardt Schultz, kontinuierlich fort. Letzterer vermittelte viel Wissen über Innen- , Außen- und Sicherheitspolitik. Sein Nachfolger hatte im Vorfeld der Europawahlen im vergangenen Jahr, Themen zu Europa und die Europäische Union, kurz EU genannt, zum Informations-Schwerpunkt gemacht. Vor allem, weil es in vielen Kreisen der Bevölkerung noch immer Vorurteile gegenüber dem in Brüssel und Straßburg tagenden Europa-Parlament sowie der EU-Verwaltung in der belgischen Hauptstadt gibt. Diese Info-Arbeit müss fortgesetzt werden, sagt Eckhard Keese; längst sei die Europabegeisterung in den 60er und 70er Jahren der Skepsis gewichen. Fehl-Interpretationen und Gleichgültigkeit seien an Stelle der EU-Vereinigungs-Euphorie getreten. Völlig zu unrecht, meint der Vorsitzende. Es sei kaum bekannt, dass rund 80 Prozent der Gesetze und Verordnungen mit denen die deutschen Behörden Arbeiten müssen, nicht in Berlin, sondern in Brüssel oder Straßburg beschlossen würden. Vieles was der europäische Integrationsprozess den Bürgern und Bürgerinnen an Vorteilen gebracht habe, sei heute selbstverständlich. Aber wie es dazu kam, sei in nahezu unbekannt. Zudem wisse man viel zu wenig über die EU-Verwaltung und die parlamentarische Arbeit der 99 deutschen Abgeordneten. Daher lud er in der vergangenen Woche erneut zu einem Europa-Info-Abend mit Andreas Listing, dem Leiter für EU-Angelegenheiten der Region Hannover, in das Hotel Grethe ein. Der sehr fachkundige Referent vermittelte den Mitgliedern und Gästen der Senioren-Union in seinem Vortrag viel Wissen über die EU, vor allem über den 2009 geschlossenen und seit dem 1. Dezember in Kraft getretenen Vertrag von Lissabon sowie die darauf fußende, erheblich verbesserte, nationale politische Mitbestimmung bei europäischen Entscheidungen. Nun gebe es mehr gemeinsame Anstrengungen zum Schutz der Umwelt und des Klimas sowie verbesserte Entscheidungsmöglichkei-
ten gegen organisiertes Verbrechertum und Terrorismus, betonte Andreas Listing. Er machte zudem die Parlamentarischen- und Verwaltungsgliederungen sowie deren Zusammenarbeit mit Hilfe von Video-Bildern verständlich. Insgesamt bot er ein übersichtliches Panorama der EU. Diese hat sich aus der Montanunion (1951) und nach der Unterzeichnung der Römischen Verträge (1957), zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) sowie der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM) und in der Folge zu einer weltweit nicht zu unterschätzenden Macht auf dem Kontinent entwickelt. Vor allem mit einer einheitlichen Währung, die dem Dollar und anderen stabilen Zahlungsmitteln paroli bietet. Der Referent machte abschließend deutlich, welchen Einfluss die EU mittlerweile im kommunalen Bereich hat, und wie groß ihre Rolle als wirtschaftliche Weltmacht ist. Das werde leider kaum noch wahrgenommen, das selbstverständlich, betonte Andreas Listing. Es müsse zudem beachtet werden, dass fast zwei Drittel der deutschen Exporte in EU-Länder gingen. Wichtigste Prinzipien der EU seien die Achtung vor nationalen Identitäten, Achtung der Grundrechte sowie des Subsidiaritätsprinzips und Offenheit, fasste der Referent seine Ausführungen zusammen.