„Achtzügigkeit kommt nicht in Frage“

RKS-Leiter sieht Chance für zweite IGS an seiner Schule

Langenhagen (ok). Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Diese Redensart ist nach Auffassung Joachim Kirschnings, Leiter der Robert-Koch-Realschule, auch auf die Schullandschaft in Langenhagen und den Wunsch vieler Eltern nach einem Platz an der Integrierten Gesamtschule übertragbar. Denn: „Wir können auch IGS“, sagt Kirschning, der von 1974 bis 1990 an der Integrierten Gesamtschule in Langenhagen als Lehrer tätig war. Damit meint er nicht unbedingt die Raumsituation an der Rathenaustraße, dort werde jetzt schon „in jedem Mauseloch“ unterrichtet. Kirschning bricht aber eine Lanze für seine Kolleginnen und Kollegen, die „jung und motiviert“ seien und über „genug Innovationspotenzial“ verfügten. Kirschning: „Die Fünfzügigkeit können wir nicht erfüllen, aber eine kleinere Gesamtschule ist durchaus eine Option.“ Eine Möglichkeit, die mit der derzeitigen schwarzgelben Landesregierung allerdings nicht realisiert werden kann; Voraussetzung für eine IGS-Neugründung ist die Fünfzügigkeit. „Redet doch mit uns, wir haben den Sachverstand“, bietet Kirschning an, für den die Oberschule übrigens keine Alternative ist. „Sie ist das kleinere Standbein des zweigliedrigen Schulsystems, und wir haben bei uns schon eine gute Durchmischung.“ 30 Prozent der Realschülerinnen und – schüler hätten eine Empfehlung für die Hauptschule.
Wolfgang Kuschel, Schulleiter der IGS, sieht die Notwendigkeit nach mehr Plätzen an einer Gesamtschule, die Anmeldezahlen sprächen Bände, die Akzeptanz seiner Schule sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, auch was höhere Bildungsabschlüsse angehe. So habe sich die Zahl der Abiturientinnen und Abiturienten in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.
Allerdings ist eine Achtzügigkeit aus seiner Sicht nicht machbar, würde das Konzept der „Jahrgangsteam-Schule“ sprengen.
Kuschel: „Die Nähe zur Schule, und vor allen Dingen das Konzept 'Schule in der Schule“ gehen dann verloren.“ Dahinter verbirgt sich zum Beispiel, dass Jahrgänge auf einem Flur zusammen unterrichtet werden; Ansprechpartner in der Lehrerstation gefunden werden. Weiteres Manko: Bei einer Achtzügigkeit, wie es sie zum Beispiel an der IGS in Garbsen gibt, liege der Gesamtbedarf bei 16 Räumen. Eine Zahl, wie sie auch durch zwei mögliche Bauabschnitte beim Erweiterungsbau nicht erreicht werde, zumal das Gymnasium ja auch zu Recht Raumbedarf habe. Und die Schülerzahlen werden nach Auffassung Kuschels in den kommenden Jahren sicher nicht sinken – die Spitze des Eisberges in Sachen demographischer Wandel sei noch nicht erreicht; die Schule erfreue sich zunehmender Beliebtheit in der Stadt, was natürlich auch die Anmeldezahlen und die Zahl der notwendigen Ablehnungen deutlich machten (das ECHO berichtete). So haben mehr als 60 Prozent aller Eltern der Viertklässlerinnen und -klässler ihre Kinder in diesem Jahr an der IGS angemeldet; mehr als die Hälfte ist abgelehnt worden.
Zahlen, die auch den Druck aufs Gymnasium mit seinen zwei Standorten erhöhen, denn schließlich melden sich viele dann dort an; in diesem Jahr musste eine sechste fünfte Klasse an der Hindenburgstraße an den Start gehen.
Potenzielle Schülerinnen und Schüler für eine weitere IGS in Langenhagen gibt es nach Meinung Kuschels also durchaus; der Schulleiter geht von etwa 150 bis 200 Mädchen und Jungen aus.
Ein Problem, das von allen Beteiligten gemeinsam mit viel Sachverstand angegangen werden sollte, wobei natürlich auch die landespolitischen Rahmenbedingungen eine große Rolle spielen.