Akribisch und akrobatisch handeln

Detlef Fricke auf dern Kufen des Phoenix muss Schwerstarbeit verrichten, um Verena Paix aus dem Wasser zu retten.Fotos: O. Krebs

Polizei übt Wasserrettung am Wietzesee

Langenhagen (ok). Bei diesem Job sind neben Geistesgegenwärtigkeit vor allen Dingen akrobatische Fähigkeiten gefragt – allerdings ohne Netz und doppelten Boden. „Der Huschrauber muss die Höhe halten, dabei noch gegen den Wind ankämpfen und noch eine gesunde Mitte zwischen der Höhe des etwa 20 Meter langen Seils und dem Abflugwinkel einhalten“, beschreibt Polizeipressesprecher Karsten Wolff das Übungsszenario am Wietzesee. Der Hubschrauberpilot sieht darüber hinaus nichts, ist auf die Kommunikation mit dem Operator am Seil angewiesen, wenn es gilt, im Wasser oder auf dem Eis zu retten. „Die beiden müssen sich blind verstehen“, macht Wolff deutlich. Der Operator, der normalerweise die Wärmebildkamera bediene, müsse den Pilot punktgenau einweisen. Zumal derjenige, der Hilfe braucht, oft total entkräftet sei, und es vielleicht nur schaffe, mit letzter Kraft eine Hand in die Schlinge zu bekommen. Akribie und schnelles Handeln sind also gleichermaßen gefragt. Für Will Lutze,Chef der Hubschrauberstaffel am Langenhagener Flughafen, ist es selbstverständlich, dass seine Besatzungen bei diesen Hilfeleistungen mit vorangehen: „Wir stellen unseren Hubschrauber doch nicht an der Seite ab und warten auf die Feuerwehr.“
Konkret wurde die Idee mit dem Rettungsseil an Bord – angelehnt an die Erfahrungen der bayerischen Bergwacht – bei einer Eisrettung auf dem Zwischenahner Meer. Vor etwa zwei Jahren musste sich die Besatzung damals mit einem Abschleppseil behelfen, trainiert seitdem diese Wasserrettung intensiv. Und beim Einsatz am Wietzesee wurde deutlich, wie schwierig die Aufgabe für alle Beteiligten ist, Abläufe und Abstimmung untereinander immer und immer wieder trainiert werden müssen. Denn: Jede Rettung läuft natürlich unterschiedlich ab, so dass sich Verhaltensweisen nicht automatisieren lassen.
Wie wichtig die Wasserrettung ist, zeigen einige Zahlen: Allein in Niedersachsen hat es im vergangenen Jahr 63 tödliche Ertrinkungsunfälle gegeben, 474 waren es in ganz Deutschland. „90 Prozent davon haben sich an Binnengewässern ereignet und 80 Prozent der Betroffenen waren männlich“, so DLRg-Betriebsarzt Florian Wesemeier aus Hannover. Oft spielten dabei der Alkohol, aber auch die Überschätzung der eigenen Kraft eine große Rolle. „Es gibt Jugendliche, die springen von hohen Birken in den Mittellandkanal“, gibt Wesemeier ein Beispiel. Kreislaufprobleme und Krämpfe im Wasser seien andere Todesursachen. Florian Wesemeier warnt dringend davor, ins flache Wasser zu springen – Querschnittslähmungen seien oft die Folge. Seine Tipps: abkühlen, auf Alkohol verzichten, nicht zu viel essen, Baderegeln beherzigen, an bewachte Badeseen gehen und nicht allein schwimmen.