Aktion gegen Rechtsextremismus

Marco Brunotte am Mahnmal an der Hackethalstraße. (Foto: G. Gosewisch)

Gedenkveranstaltung an der Hackethalstraße

Langenhagen (gg). Am Brinker Hafen gab es während der NS-Diktatur eine Munitionsproduktion. Deportierte Frauen aus Polen und Russland mussten in den Fabriken an der Hackethalstraße in Hannover, damals Langenhagener Gebiet, Zwangsarbeit verrichten. Das Lager wurde am 6. Januar 1945 durch einen alliierten Bombenangriff zerstört und danach von den Nazis geräumt. Das Aktionsbündnis „Langenhagener gegen Rechte Gewalt“ erinnert jährlich mit einer Gedenkveranstaltung an die Verbrechen an der Menschlichkeit. Initiator Marco Brunotte sagte vor Ort: „Eine gelebte Demokratie muss sich immer wieder erneut gegen Rechtsextremismus und Rassismus zur Wehr setzen.“ Der hannoversche Bürgermeister Thomas Hermann erinnerte an die Aufgaben der gewählten Volksvertreter: „Wir sind verantwortlich für das, was aus der Vergangenheit in die Zukunft getragen wird.“ Renate Friedrich, stellvertretende Bürgermeisterin in Langenhagen, mahnte an, den klaren Blick zu bewahren. Der DGB-Chor Hannover gestaltete den musikalischen Rahmen für die Veranstaltung. Unter den Teilnehmern war auch Reinhard Grabowsky, CDU-Stadtverbandsvorsitzender.
Zum Hintergrund: Nach neuerer Forschung des Historikers Rüdiger Fleiter war Karl Elkart als Hannoverscher Stadtbaurat in den 40er Jahren verantwortlich für den Einsatz der Zwangsarbeiterinnen. Einer seiner bekannten Architekturentwürfe ist mit der Stadtbibliothek an der Hildesheimer Straße realisiert worden. Die nach ihm in den 60er Jahren benannte Elkartallee wurde unlängst in Hilde-Schneider-Allee umbenannt. Damit soll der im Jahr 1916 in Hannover geborenen Hilde Schneider gedacht werden. Sie hatte eine jüdische Herkunft und war in den 40er-Jahren Novizin im Henriettenstift. Sie wurde von den Nazis deportiert, überlebte das Ghetto in Riga und die Konzentrationslager Thorn und Kaiserwald, kehrte nach der Zerschlagung der Nazi-Herrschaft nach Deutschland zurück, studierte trotz haftbedingter gesundheitlicher Schäden Theologie und wirkte in ihrem Berufsleben als Seelsorgerin, zuletzt als Gefängnis-Seelsorgerin. Hilde Schneider ist im Januar 2008 gestorben.