Aktive Eigentümer passen auf

Mit Zeit und Ruhe klärten Carsten Hettwer (stehend, von links) und Ulrich Tarp die Fragen der Eigentümer zum Förderprogramm. (Foto: G. Gosewisch)

Stadtbaurat lobt Ulrike Missner für ihr Engagement

Langenhagen (gg). Unter dem Titel "Rechte? Pflichten? Auf jeden Fall eine Chance für Immobilieneigentümer!" informierte die Stadtverwaltung nun erneut zu den Sanierungsgebieten nördliche Kernstadt/Walsroder Straße und Wiesenau im Ratssaal im Rahmen einer Einwohnerversammlung. Stadtbaurat Carsten Hettwer reagierte damit auf Kritik und Proteste seitens der Betroffenen (Walsroder Straße), die zudem in der jüngsten Ratssitzung eine rund einhundert Unterschriften starke Liste an Bürgermeister Mirko Heuer überreichten und damit ihrer Forderung nach Absetzen des Sanierungsprogramms Nachdruck verliehen. Gemeinsam mit Ulrich Tarp von der "re.urban Stadterneuerungsgesellschaft mbH" warb der Stadtbaurat für die Sanierungsprogramme, zeigte die Vorteile für die Eigentümer auf. Die Verbesserung der Stadtbilder in Wiesenau und an der Walsroder Straße (zwischen Elisabetharkaden und Reuterdamm) ist das Ziel. Missstände sollen aufgehoben, eine Aufwertung erreicht werden. Dafür gibt es Fördermittel des Bundes und des Landes, sodass je Quartier rund zehn Millionen Euro als Investitionshilfe zur Verfügung stehen. Bei Sanierung und Modernisierung könnten Eigentümer damit einen kleinen Teil ihrer Kosten erstattet bekommen, besondere steuerliche Vorteile könnten unter Umständen genutzt werden. Umfangreiche rechtliche Vorgaben sind mit der Durchführung der Förderprogramme verknüpft, die der Abwehr von Spekulationsgewinnen dienen. Zu den Vorgaben gehören Grundbucheinträge und Genehmigungsverfahren. Eigentümer befürchten dem entsprechend behördliche Behinderung bei Verkauf oder Vermietungen, von Gängelung war die Rede. Zudem ist die Höhe der Ausgleichszahlung ungewiss, die nach Ablauf der Förderprogramme von jedem Eigentümer zu zahlen ist. „Viele Eigentümer in Wiesenau sind sehr alt wie ich, um die 80. Als Rentner bekommen wir von der Bank keine Kredite für Sanierungen. Was habe ich von dem Förderprogramm?“, so die Frage einer Eigentümerin aus Wiesenau in der jüngsten Versammlung. „Nur die Aufwertung des Quartiers allgemein“, antwortete Ulrich Tarp und gab sich verständnisvoll auch in Bezug auf die Tatsache, dass Eigentümer im fortgeschrittenen Alter den Ablauf der Programm-Dauer von rund zehn Jahren nicht abwarten können, um dann ohne Verkaufspreis-Deckelung (Verkehrswert plus zehn Prozent) einen gewünschten Preis für ihre Immobilien zu erzielen.
In der Summe der Wortbeiträge unter den rund einhundert Teilnehmern der Informationsveranstaltung wurde deutlich, dass die Titel der Förderprogramme „Aktive Stadt“ (Walsroder Straße) und „Soziale Stadt“ (Wiesenau) frappanter Weise eine aktuelle Beschreibung der Eigentümer-Haltung ist. Sehr wohl stellen sich die Eigentümer ihrer Verantwortung zum Wohl der Allgemeinheit. Viele haben schon saniert, halten ihre Immobilien auf einem guten Stand, wollen und müssen jedoch wirtschaftliche Spielräume erhalten, denn sie tragen die finanziellen Risiken persönlich. Das Unternehmer-Motto „Das Beste hoffen, auf das Schlimmste (Fremdbestimmung) vorbereitet sein!“ wurde insbesondere in Wortbeiträgen von Ulrike Missner deutlich, die nach Rücksprache mit dem Niedersächsichen Sozialministerium eine Alternative in Form eines sogenannten „vereinfachten Verfahrens“ aufzeigte, welche im Vergleich zum angestrebten „erweiterten Verfahren“ geringfügige Eingriffe in Eigentümerrechte bringe. Mehrfach betonte Stadtbaurat Carsten Hettwer, dass damit Umlagen (Straßenausbaukosten) auf die Eigentümer zukämen, das „erweiterte Verfahren“ stehe für größere Chancen. Er lobte das Engagement von Ulrike Missner, insbesondere in Bezug auf die Anzeigenschaltung im ECHO, die eine Mobilisierung der Anwohner möglich gemacht habe. Er widersprach aber sehr deutlich den bisherigen Mutmaßungen, beispielsweise dass die Wohnungsbaugesellschaft KSG hofiert werden soll oder dass Altlastensanierung auf früheren Produktionsstätten zulasten der Allgemeinheit vorangetrieben werden sollen. Er betonte: „Das stimmt nicht und ist mit dem Förderprogramm auch gar nicht möglich.“
Während der Startschuss für das Wiesenauer Programm bereits gefallen ist, entscheidet der Rat in seiner nächsten Sitzung am Montag, 14. Dezember, um 18 Uhr im Ratssaal, Marktplatz 1, über die Durchführung „Aktive Stadt“.