„Alle Steine sind gezählt“

Julia Meinecke (von links), Stefan Kunkel und Torsten Kröncke können auf dem Baugerüst am Turm der Elisabethkirche am Übergang vom mittelalterlichen zum barocken Teil eine Putzprobe in Augenschein nehmen. Putz wird auf der gesamten oberen Turmhälfte aufgebracht, dem historischen Vorbild entsprechend. (Foto: G. Gosewisch)

Restaurierung der Elisabethkirche hat begonnen

Langenhagen (gg). Blickfang ist das Baugerüst an der Elisabethkirche seit Mitte April. Fragen zum Zustand des Baudenkmals drängen sich auf. Nun gab dazu Auskunft seitens des zuständigen Amtes für Bau- und Kunstpflege (Landeskirche Hannover), Architektin Julia Meinecke leitet die Restaurierungsmaßnahme. Sie erklärt: „Turm und Kirchenschiff werden getrennt betrachtet.“ So habe die Restaurierung des Turms bereits begonnen. Die Reste eines früheren Putzes werden entfernt, der Fugenzement ebenso. Von der Witterung beschädigte Steine werden ausgetauscht. Zementfrei wird bei der Verfugung und beim neuen Putz gearbeitet, sodass eine Werkstoff-Verträglichkeit gegeben ist. Der Turm stammt im unteren Teil aus dem Mittelalter, im oberen Teil aus dem Barock. Verwendet wurden Rasseneisenstein und Steine aus gebranntem Ton mit unterschiedlicher Aushärtung. Die Witterung bringt Nässe, die vom Mauerwerk nur dann schadenfrei aufgenommen und abgegeben wird, wenn alle Materialien ähnliche physikalische Eigenschaften haben. Zement-Putz ist härter als Kalkputz und hat in den vergangenen Jahrzehnten zu Spannungsrissen geführt. Beschädigte Steine finden und austauschen ist auch die Aufgabe an der Fassade des Kirchenschiffes, das im Jahr 1870 von Kirchenbaumeister Conrad Wilhelm Hase errichtet wurde. Bei der letzten großen Restaurierungsmaßnahme im Jahr 1991 waren nur Schmucksteine und Zierelemente ausgetauscht worden, wurden in Handarbeit gefertigt, wie die schlichten Backsteinziegeln, die nun dran sind. Nun ist die gesamte Fassade, 33 Meter Länge, neun Meter Breite (ohne die Seitenschiffe) und 11,5 Meter Traufhöhe, überprüft worden. „Alle Steine sind vom Gerüst aus gezählt“, sagt Julia Meinecke und weist damit auf die nun vorliegende genauere Kostenschätzung hin, die höher ausfällt, als vorab mit 400.000 Euro kalkuliert. Mit weiteren 400.000 Euro wird der Turm zu Buche schlagen. An den Dächern wird nicht gearbeitet. Im Turm gibt es eine innere Holzkonstruktion, die den Dachstuhl trägt und in Ordnung ist. „Allerdings haben wir den Glockenstuhl noch nicht betrachtet“, sagt Julia Meinecke. Stefan Kunkel, Leiter im Amt für Bau- und Kunstpflege, betont, dass es keinen Sanierungsstau gibt. Die Fertigstellung des Kirchenschiffes ist für 2017 geplant. „Da wird es mit dem Gerüst auf dem Kirchplatz eng, wenn wir den Weihnachtsmarkt aufbauen“, sagt Pastor Torsten Kröncke, doch er nimmt es gelassen, „Es wird schon irgendwie gehen.“