Alles nur Verhandlungssache?

Stadt stellt Machbarkeitsstudie für Norta-Geländes/Kernstadt-Nord vor

Langenhagen (dl). Die Mitglieder des Sanierungsbeirats staunten nicht schlecht während der jüngsten Sitzung angesichts einer Machbarkeitsstudie zur Sanierung des Norta-Geländes an der Walsroder Straße. Kernstück der Studie, die im Auftrag des Stadtplanungsamts von der Architektur- und Planungsgesellschaft mbH (ANP) erstellt wurde, sind vier unterschiedliche Szenarien zur künftigen Nutzung und Bebauung auf dem Gelände der ehemaligen Tapetenfabrik. Drei dieser Szenarien sehen im westlichen Teil einen Supermarkt mit angrenzendem Parkplatz vor. Für das übrige Gelände sind verschiedene Nutzungsvarianten wie eine „Landschaft auf Zeit“ oder eine Mischung aus Wohnbebauung und kleinteiligem Gewerbe vorgesehen. Die vierte Variante geht von vornherein von einer Mischnutzung aus Einzelhandel, Gewerbe und Wohnen aus. Die in drei der Entwürfen ausgewiesene Fläche für den vorgesehenen Supermarkt im Nordwesten des Geländes befindet sich allerdings bereits seit 2015 im Besitz der Wilhelm Cramer GmbH aus Burgdorf. Der im Rahmen der Beiratssitzung von Sebastian Cramer, Mit-Gesellschafter des Familienunternehmens vorgestellte Entwurf des Marktes stieß im Gremium auf wenig Gegenliebe. Darin sieht das von Cramer beauftragte Planungsbüro Schöne aus Minden einen großen Parkplatz mit rund 220 Stellplätzen zur Walsroder Straße hin vor mit einem daran anschließendem Marktgebäude nach dem in diesen Fällen üblichen Strickmuster. Bisher aber gibt es für das Vorhaben weder eine Bauvoranfrage noch wurde ein Bauantrag gestellt. Hinzu kommt, dass für diese Teilfläche ein rechtsgültiger Bebauungsplan aus den 70er Jahren existiert, demzufolge im westlichen Teil des Geländes verschiedene Gewerbegebiete in einer geschlossenen Bauweise vorgesehen sind. Derzeit aber wird die für das Bauvorhaben benötigte Fläche im Auftrag des Planungsbüros vorbereitet und die alten Produktionshallen abgerissen. Das übergeordnete Ziel der Studie sei es zwar, im Rahmen des integrierten Stadtentwicklungskonzepts, „eine Aufwertung und Belebung der Industriebrache als städtebaulich attraktive Fläche mittels einer kernstädtischen Mischnutzung durch Einzelhandel, Dienstleistung, Kultur und, wenn möglich Wohnen zu erreichen“, andererseits sieht sich der Beirat damit vor vollendete Tatsachen gestellt, zumal er an der Studie nicht beteiligt wurde. „Warum sitzen wir dann hier, wenn das alles mehr oder weniger schon feststeht“, so der vorherrschende Tenor in der Runde. Das 3,7 Hektar große Gelände der 1979 in Konkurs gegangenen ehemaligen Tapetenfabrik steht seit Jahren leer, abgesehen von gelegentlichen Nutzungen als Lagerfläche und einem Tapeten und Bodenbeläge-Fachmarkt. Als zwar problematisch, aber letztlich nicht entscheidend wird die Tatsache gesehen, dass sich das Gelände im Besitz von mehreren Eigentümern befunden hat und noch befindet. Wie immer, geht es dabei um das Geld. Kaufangebote seitens der Stadtverwaltung scheiterten in schöner Regelmäßigkeit an zu hohen Forderungen der Eigentümer. Eine sehr viel größere Hürde für eine Realisierung der Studie ist das Landesraumordnungsprogramm, wonach des Norta-Gelände innerhalb eines Siedlungsbeschränkungsbereichs liegt, zum Schutz gegen Fluglärm. In dieser Zone ist neue Wohnbebauung deshalb nicht zulässig, für alte Gebäude gilt Bestandsschutz. Auf der anderen Seite verzeichnet Langenhagen seit Jahren ein überdurchschnittliches Bevölkerungswachstum und im Zuge dessen besteht ein „anhaltender Nachfrageüberhang auf dem Wohnungsmarkt“. Insofern steht die Stadtverwaltung unter dem Druck, ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Es dürfte also spannend werden, ob sich in den Gesprächen mit dem Land Niedersachsen daraus ein dringendes öffentliches Interesse ableiten lässt im Sinne der Wohnungssuchenden.