Am Anfang war das Wort und die Musik

Kabarettisten mit Rang und Namen standen schon auf den Mimuse-Bühnen, darunter Dieter Hildebrandt
 
...und Volker Pispers.

40 Jahre Klangbüchse mit beachtlichen Karrieren

Langenhagen (dl). Im Jahr 1976 gründete Udo Püschel, seinerzeit als Bauingenieur im Stadtplanungsamt beschäftigt, mit Klaus Früh und einigen anderen Mitstreitern die Arbeitsgemeinschaft Klangbüchse im Stadtjugendring Langenhagen, mit der Aufgabenstellung, Folkmusik-Konzerte und Festivals zu organisieren. In Zusammenarbeit mit der Jugendpflege gelang dies auch mit einigem Erfolg. 1978 veranstaltete die Klangbüchse das erste von sieben Klangbüchsen-Folkfestivals, die bald zu den drei wichtigsten Festivals in Norddeutschland zählen sollten. Jazz wäre Püschel zwar lieber gewesen „aber wir wollten etwas machen, was Hannover nicht zu bieten hat“, sagte er. Die überwiegend irisch-schottische und amerikanische Folklore, so wie Püschel und auch das überwiegende Publikum sie verstanden haben, war seinerzeit noch ausgesprochen populär. Was aber nicht hieß, dass es außer den Festivals in der Aula des Schulzentrums nicht auch immer mal wieder abseits vom Mainstream Interessantes zu entdecken gab. Püschel, der in Osnabrück zweiter Vorsitzender des dortigen Jazz-Clubs war, holte im Laufe der Zeit nach und nach viele Größen des Jazz auch nach Langenhagen. Darunter so bekannte Namen wie Jim Hall, Barney Kessel, Joe Pass, Gary Burton, Jan Garbarek, Till Brönner oder Charlie Mariano. Die eigentliche Heimstätte der Klangbüchse ist seit den Anfangstagen bis heute das daunstärs. Seinerzeit noch ein normaler Gruppenraum im ehemaligen Freizeitheim neben dem Schwimmbad. Heute eine gemütliche Kleinkunstbühne mit 99 Sitzplätzen. Das Schwimmbad gibt es nicht mehr und in dem Gebäude sind heute neben dem daunstärs weiterhin die VHS und seit einigen Jahren auch das Mehr-Generationen-Haus beheimatet. Im Jahr 1980 entstand bei der Stadt die Idee, im Haushalt 15.000 DM für ein Kleinkunstfestival bereitzustellen. Das Kulturamt winkte allerdings ab, als es darum ging: wer organisiert das? „Es sei denn, der Püschel macht das, der mit seiner Klangbüchse und den Folkfestivals ja schon Erfahrung damit hat“. Und Püschel machte. Genau wie die Folkfestivals organisierte die Klangbüchse 1981 dann auch das erste Kleinkunstfestival, das Püschel Mimuse nannte. Damit hatte Langenhagen schon zwei Festivals im Jahr. Im Frühjahr die Mimuse und im Herbst das Folkfestival. Zusammen mit den regulären Veranstaltungen im daunstärs dazwischen also ein anspruchsvolles Pensum für die 25 ehrenamtlichen Mitglieder der Klangbüchse. Schon damals hieß das mittlerweile oft strapazierte Motto: „Wir zeigen Euch die Künstler, die morgen berühmt sind und was sie in Hannover schon immer sehen wollten, aber nie zu sehen bekamen“. Stimmte ja irgendwie auch. Bis auf Dietrich Kittners Theater an der Bult, das noch kleiner war als das daunstärs, gab es in Hannover keine Spielstätte für Kleinkunst. Heute sieht das anders aus. 1986 wurde das daunstärs von den Mitgliedern der Klangbüchse mit eigenen Mitteln liebevoll umgestaltet, so wie es sich im Prinzip auch heute noch präsentiert. Schon damals, bei der ersten Mimuse 1981, trat in Langenhagen der junge Nachwuchskabarettist Matthias Richling auf, dessen Namen außerhalb von Stuttgart eigentlich niemand kannte. Mit dem Anspruch wuchs im Laufe der Zeit auch die Qualität des Programms, die immer mit dem Maßstab der Großstadt gemessen wurde. Viele der Künstler kennen in Langenhagen beide Spielstätten der Klangbüchse. Das kleine daunstärs ebenso wie den großen Theatersaal mit knapp 600 Plätzen. Bis in die Mitte der 80er Jahre hinein zählten für die Mimuse auch die Aula des Schulzentrums sowie die Mensa der IGS dazu. Beide mussten hierfür von den Mitgliedern immer erst mühsam eingerichtet und dekoriert werden. Seitdem standen wohl mittlerweile alle Kabarettisten mit Rang und Namen auf den Bühnen von daunstärs und Theatersaal. Neben dem bereits erwähnten Matthias Richling waren das unter anderem Hanns-Dieter Hüsch, Bruno Jonas, Dieter Hildebrandt, Martin Buchholz, Volker Pispers, Lisa Fitz, Matthias Deutschmann, Hans Scheibner und viele andere. Seit 1983 ist die Klangbüchse ein eingetragener Verein, denn mittlerweile wurden nicht nur die Veranstaltungen des Kulturamtes betreut, sondern viele von ihnen auch in Eigenregie durchgeführt. Auf das Konto der Klangbüchse gehen neben den Folkfestivals und die Mimuse auch noch andere Veranstaltungen, heute würde man sagen: Formate, wie die Jazzmatineen oder das Stadtfest, dessen Wurzeln in den legendären Airport-Partys seit Ende der Siebziger Jahre liegen. Die Besetzung der Klangbüchse wechselte im Verlauf von 40 Jahren immer mal wieder. Außer Udo Püschel, dem damaligen Programm-Macher und geistigem Urheber der Langenhagener Mimuse sind heute noch etliche Mitstreiter aus der grauen Vorzeit mit dabei. So wie seit gut dreißig Jahren auch hauptamtlich der Grafiker, Kulturpädagoge und Flamencogitarrist Franz Gottwald, heute Vorsitzender des Vereins und Programmgestalter in Personalunion.