Am Rande der Marktwirtschaft

Zum Thema "Leben auf Pump" erreichte uns folgender Leserbrief:
"Leben auf Pump – das Thema ist endlich in der Kirche angekommen, zwar laienhaft, aber immerhin. Dabei sind die Schulden überhaupt kein Problem, gäbe es die Zinsen nicht. Die Thora (für den jüdischen Glauben), das Neue Testament (für uns Christen) und der Koran (für alle Moslems) nehmen dazu eindeutig Stellung. Bis in das vorletzte Jahrhundert gab es für alle Gläubigen das Zinsverbot, damit der 'der große Spalter' (Diabolon = der Teufel) keine Macht über sie habe. 'Es geht um die Geldwerdung Gottes oder um die Gottwerdung des Geldes' - so lässt sich der Dichter Heinrich Heine um 1850 zitieren. Nach ihm ist in Langenhagen eine Straße benannt. Verschuldung gibt es nicht nur individuell, weitaus gefährlicher ist die kollektive Überschuldung, sie führt in die Verarmung der Kinder Gottes und wird so zu einem Herrschaftsinstrument, das jede Sozialordnung, auch unsere Demokratie aushebelt. Und so konnten die Akteure nicht vermitteln, dass die Zuhörer des lieb gemeinten Gottesdienstes im Durchschnitt mit etwa 135.000 Euro bei Eigentümern und Gläubigern verschuldet sind, zu bedienen über ihre Lebenshaltungskosten. Diese Verschuldung spaltet die Menschen in Zehn-Prozent-Zins-Nehmer (Haben) und 90 Prozent Tribut-Pflichtige (Soll). Am Rande dieser 'Marktwirtschaft' holt den letzten der Teufel, er/sie verarmt und wird bedürftig. An diesem gesellschaftlichen Rand wurde Jesus von Nazareth geboren, der Evangelist Lukas berichtet. Vor etwa 15 Jahren habe ich zusammen mit Pastor Sundermann (Elisabethgemeinde) ein Seminar über drei Abende gehalten: 'Christlicher Glaube und das Wesen des Geldes'. Gern biete ich der Gemeinde einen 'Refresher'-Kurs an, um die Alternative Gott oder Mammon erneut aufzuzeigen. 'Müssen wir dem Herrscher Tribut zahlen?' - so die Frage der Menschen vor 2.000 Jahren. Ja!, sagt(e) das römische Recht. Nein!, sagt(e) der, dem die Kirche glaubt. Neben der Bibel käme dann der Taschenrechner zum Zuge, denn Gott hat uns nicht nur seine Liebe versprochen, sondern auch erlaubt, unseren Verstand zu gebrauchen."

Dieter Petschow, Langenhagen