Angemessen Abschied nehmen

Sie engagieren sich für den „Garten der Sternenkinder“ (von links): Bettina Praßler-Kröncke, Martin Bergau, Uwe Spiekermann, Norbert Naethe, Birgit Ehlers-Ascherfeld und Daniela Thiele. Foto: C. Borschel

„Garten der Sternenkinder“ entsteht auf dem Kirchenfriedhof

Langenhagen (bo). Bisher haben Eltern, die eine Fehlgeburt oder eine Abtreibung hinter sich haben, nur sehr eingeschränkt die Möglichkeit den Verlust ihres Kindes zu verarbeiten und Abschied zu nehmen. Laut Gesetz besteht keinerlei Bestattungspflicht für Kinder unter 500 Gramm – im Gegenteil werden diese oftmals auch ohne Einwilligung der Eltern zu Forschungszwecken verwendet oder nach Gesetzestext „unverzüglich beseitigt“.
Vertreter unterschiedlicher Gewerke in Langenhagen haben sich vor diesem Hintergrund schon vor einiger Zeit zusammengesetzt um eine Grabstelle für Föten unter 500 Gramm zu erschaffen. „Der Gedanke der Entsorgung von Föten, wie es im Gesetz festgeschrieben ist, ist grausam und unangemessen“, sagt Steinbildhauer Uwe Spiekermann. Dieses Vorgehen mache es vielen Eltern noch schwerer, über den Verlust eines Kindes hinwegzukommen. Zwar gibt es die Möglichkeit, die Kinder zu bestatten, doch wird über diese Möglichkeit wenig bis gar nicht informiert.
„Wir wollen dem entgegen wirken“, erklärt Bettina Praßler-Kröncke, Pastorin der Elisabethkirche. „Wir werden ein Gemeinschaftsgrabfeld für Sammelbestattungen anbieten, damit es einen Ort der Trauer gibt, an dem Angehörige würdevoll und angemessen Abschied nehmen können.“ Auf dem Kirchenfriedhof der Elisabethgemeinde wird künftig eine Grabstelle von rund 40 Quadratmetern, bestehend aus 15 Grabfeldern, entstehen. Einmal im Jahr wird hier mit seelsorgerischer Begleitung eine Trauerfeier mit anschließender Sammelbestattung stattfinden. „Trauernde Menschen finden oft nicht so schnell ins Leben zurück. Wir wollen ihnen helfen und einen Ort für die Trauer anbieten“, so Spiekermann. Bestatter Norbert Naethe erzählt aus seiner Erfahrung: „Häufig kommen Mütter Jahre nach einer Fehlgeburt zurück ins Krankenhaus und wollen wissen, was mit den Fötus passiert ist. Die Möglichkeit der stillen Begegnung besteht dann nicht mehr.“ Erhebungen belegen, dass eine Gedenkstätte wie der „Garten der Sternenkinder“ auf große Resonanz stößt, kommen Fehlgeburten doch bei rund 20 Prozent aller Schwangerschaften vor; die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen.
Die Grabstelle wird für die Eltern kostenfrei sein und ihnen eine Anlaufstelle bieten. Finanzieren wird sich das Projekt durch eine Unterstiftung der „Wir-helfen-Stiftung“ mit dem Namen „Sternenkinder- Stiftung“. Beim großen Familienfest des Wirtschaftsklubs am 12. September in Kaltenweide wird sich die Stiftung erstmals der Öffentlichkeit vorstellen. „Wir wollen jetzt erst einmal den Grundstock aufbauen, damit wir das Projekt zukunftssicher und solide gestalten können“, so Norbert Naethe.
Superintendent Martin Bergau ist bereits jetzt mit der bisherigen Unterstützung zufrieden: „Es ist einfach eine Stärke der Stadt Langenhagen, dass so viel ehrenamtliches Engagement vorhanden ist“, stellt er fest. Die Initiative ist einmalig im Kirchenkreis, auch in der Region Hannover gebe es nur ein einziges anderes Projekt dieser Art.
Im Herbst soll nun mit der Bepflanzung der Grabstätte begonnen werden, Anfang Mai des kommenden Jahres wird die Ruhestätte eröffnet. Bis dahin wolle man, neben der bereits bestehenden Zusammenarbeit mit der Paracelsusklinik, auch noch die Frauenärztinnen und -ärzte in Langenhagen mit in das Projekt integrieren.
„Wir sehen es als Kirche als eine Kernaufgabe an, Menschen in ihrer Trauer zu begleiten“, sagt Bettina Praßler-Kröncke. Deswegen werde man die Grabstätte sowohl für Fehlgeburten, als auch für Föten aus Schwangerschaftsabbrüchen anbieten, denn auch diese hätten ein selbstverständliches Recht auf einen würdevollen Abschied.