Arme Menschen im Blick behalten

Anne-Marei Stamme (von links) leitet die Schwangeren- und Schwangerenkonfliktberatung, Angela Carld arbeitet in der Sozialberatung in Burgwedel und Dorothee Beckermann in der Kirchenkreissozialarbeit in Langenhagen. (Foto: D. Lange)

Jahresbericht und Schwangerenberatung im Diakonieverband

Langenhagen (dl). Der vom Diakonieverband Hannover-Land vorgestellte Jahresbericht 2015 ist weniger ein umfangreiches Zahlenwerk, sondern wirft vielmehr einen Blick auf die vielfältigen Aufgaben der Diakonie. Dabei geht der Bericht auch auf die Belastungen ein, denen die in der Mehrzahl ehrenamtlichen Helfer zusätzlich zu ihren laufenden, alltäglichen Aufgaben insbesondere in der Flüchtlingsarbeit ausgesetzt sind. Dies war und ist für die diakonischen Einrichtungen nach wie vor das beherrschende Thema, erst recht angesichts der politischen und gesellschaftlichen Situation in unserem Land. Der wachsende Bedarf nach Hilfe wird beispielhaft deutlich in der neu eingerichteten Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktstelle. Deren Mitarbeiterin Anne-Marei Stamme berichtet von einer wachsenden Zahl von Beratung suchenden Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund. So stieg die Zahl der Schwangerenberatung von ganzen zwei im Jahr 2005 auf 68 in 2015. In dieser Zeit stieg in der allgemeinen Sozialberatung auch die Zahl der ratsuchenden Menschen mit Nicht-Deutscher Staatsangehörigkeit. Im Jahr 2005 waren es 23 und in 2015 wuchs die Zahl auf 148. „Die Schwierigkeiten der Kontaktaufnahme für die Flüchtlinge zur Schwangerenberatung angesichts der Sprachbarrieren einschließlich der Einbeziehung von Dolmetschern bestehen nach wie vor“, sagte Anne-Marei Stamme. Dazu werden bestehend kulturelle Unterschiede deutlich, denn in in vielen Ländern seien Hebammenleistungen wie hierzulande nicht bekannt, was deshalb zunächst zu Verunsicherung und Angst bei den Frauen führt, wenn sie sich „fremden Menschen“ anvertrauen sollen. Für die Zusammenarbeit von Kirchenkreis, Diakonie und der Kommune und die Koordination der vielfältigen Aufgaben sei eine intensive Kommunikation untereinander und eine enge Vernetzung aller beteiligten Initiativen und Einrichtungen notwendig. Superintendent Holger Grünjes betonte, die aktuellen Herausforderungen werden von den Kirchen angenommen und bescheinigte der Diakonie eine „hervorragende Arbeit“. „Wenn Sie gebraucht werden, sind Sie da“, sagte er. Die Erfahrungen in der Schwangerenberatung haben gezeigt, dass viele alleinstehende Mütter und Bezieher von Sozialleistungen ihren bestehenden Bedarf an Kinder- und Babyausstattungen aus eigenen Mitteln nicht bewältigen können. Die Beratungsstelle ist daher bemüht, mit Unterstützung des Kirchenkreises entsprechende Strukturen und Einrichtungen nach dem Vorbild der Umsonst-Läden zu schaffen, die für einkommensschwache Menschen den Bedarf an Erstausstattungen von Möbeln und Kleidung decken können. Sowohl das FairKaufhaus im CCL als auch das Mehrgenerationenhaus und der Nachbarschaftstreff in Wiesenau haben dazu ihre Bereitschaft zur Kooperation angekündigt.