Auf dem Weg zum Glück

In der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung wird von einem bestimmten Recht jedes Menschen gesprochen, dass in die oft so ernste, manchmal richtig bedrückte Stimmung in Deutschland kaum passen mag: es ist das Recht, sein eigenes Glück zu suchen und - hoffentlich - auch zu finden. Allerdings, worin dieses Glück bestehen mag ist in der Unabhängigkeitserklärung aus dem Jahr 1776 nicht erklärt. Aber wer will oder kann schon anderen vorschreiben, worin ihr Glück bestehen soll? Suche nach Glück - soll das ein ganzes Leben ausfüllen? Seien wir nicht gleich so skeptisch. Wenn wir ehrlich sind: Glück schenkt uns Kraft und macht uns stark, Glück macht uns verträglich und großzügig, Glück möchten wir nicht für uns behalten. Aber wie lässt sich solches Glück finden? Der Kirchenvater Augustin hat vor fast 2000 Jahren Glück als „Ruhe für die Seele“ beschrieben. Ihm ging es weder um Reichtum noch um Anerkennung und Ruhm, sondern um die Ruhe für seine Seele „in Gott“. Was hat er damit gemeint? Die beruhigende Glaubensgewissheit, dass Gott ein freundlicher und gnädiger Gott ist, der unser Bestes will und der uns deshalb mit ganz persönlichen Begabungen beschenkt, auch mit der Begabung, unser Glück zu suchen.
In der Gegenwart sind sich übrigens viele Bewohner der USA, des Landes, in dem die Suche nach dem Glück als Menschenrecht festgeschrieben ist, darin einig, dass die Deutschen glückliche Menschen sein müssten: mit der starken deutschen Wirtschaft, mit dem Exportüberschuss ihres Landes, mit der im internationalen Vergleich niedrigen Arbeitslosigkeit - da geht es den Amerikanern zur Zeit viel schlechter.
Finden die Deutschen ihr Glück in dem, worum sie von anderen beneidet werden? Ich vermute, Glück finden die meisten nicht in dem, was sich in Geld oder in teurem Konsum ausdrückt. Glück finden die meisten in einer stabilen Partnerschaft, in der Liebe zu den Kindern, in der Dankbarkeit für einen guten Freundeskreis und für Gesundheit. Aber ich bin mir sicher: auch wer sich von Gott angenommen und geliebt weiß, hat einen Weg zum Glück gefunden.

Bernd Wrede, Pastor