Auf den Zahn gefühlt

„Jetzt aber mal Klartext, meine Herren!“: Bettina Reimann und Oliver Krebs nahmen die fünf Kandidaten ins Kreuzverhör.Foto: D. Lange

Bürgermeisterkandidaten stellen sich Bettina Reimann (Stadtmagazin) und Oliver Krebs (ECHO)

Langenhagen (dl). Gleich zu Beginn der letzten Kandidatenrunde vor der Wahl räumte Moderatorin Bettina Reimann, die bei der Talkrunde von ECHO-Redakteur Oliver Krebs unterstützt wurde, erst einmal mit einer eben so oft gehörten wie falschen Ansicht auf, dass ein Bürgermeister quasi im Handstreich Mehrheitsbeschlüsse im Rat, in diesem Fall das Schwimmbad betreffend, wieder rückgängig machen könne. Soweit reichen dessen Befugnisse nicht, und das nicht nur, weil einem solchen Vorhaben - hier wieder das Schwimmbad - bereits erfolgte Ausschreibungen und Verträge mit einem Volumen von rund zwei bis drei Millionen Euro entgegenstehen. Selbst wenn es anders wäre, hindere das den Rat nicht, in einem solchen Fall mit etwas veränderten Parametern sofort einen neuen Beschluss zum Bau eines Bades zu fassen. Klar sei auch, dass der Bürgermeister in erster Linie der Verwaltungschef sei, dessen politische Aufgaben und Gestaltungsmöglichkeiten eher begrenzt sind. Das sei vielmehr Sache des Rates, dessen Beschlüsse er umzusetzen habe. Jens Mommsen ist da anderer Meinung und unter den Kandidaten derjenige, der nicht müde wird, den amtierenden Bürgermeister Fischer und seine Amtsführung, insbesondere im Hinblick auf die Verwaltung, heftig zu attackieren, sodass sich Fischer immer öfters gezwungen sieht, sich vor seine Mitarbeiter zu stellen und sich, an die Adresse von Mommsen gerichtet, gegen dessen Vorwürfe und Verleumdungen zu verwahren. Nichtsdestotrotz ist dieser davon überzeugt, dass sich die Mitarbeiter der Verwaltung darauf freuten, ihn als neuen Chef zu bekommen, weil sie mit ihm als Bürgermeister künftig nur noch nach Leistung und Eignung beurteilt würden anstatt nach Parteibuch. Eine Aussage, die ebenso wie das Vorhaben des konfliktfreudigen Kandidaten, nach dessen Wahl unter Umständen sein Amt wieder zur Verfügung zu stellen, falls die Langenhagener mit seiner Arbeit wider Erwarten nicht zufrieden sein sollten, allenthalben für ungläubiges Kopfschütteln sorgt. Dass eine solche Aktion zusätzlich Neuwahlen mit allen bekannten Begleiterscheinungen bedeuten würde, ficht ihn, der dafür wirbt, mit dem Steuergeld der Bürger umsichtig umgehen zu wollen, nicht weiter an: „Wenn es so kommt, dann bezahle ich den Wahlkampf – etwa 25 000 Euro - aus eigener Tasche und lege noch mal das gleiche oben drauf, um es für soziale Zwecke zu spenden“, verkündete er.
Das Volk, sprich: die Langenhagener Bürger waren zwar zahlreich zur Kandidatenrunde erschienen, hielten sich allerdings mit Fragen an ihren künftigen Bürgermeister auffallend zurück. Die günstige Gelegenheit, den fünf Kandidaten, von denen Mirko Heuer seinen Geht-Wenn-Weg erläuterte, Dirk Musfeldt einen starken Grünen-Kandidaten sieht und Stefan Dammann auch nach der Wahl politisch mitmischen will – vor der Wahl noch einmal richtig auf den Zahn zu fühlen, ließen sie ungenutzt verstreichen. Hier hatten sich die Veranstalter deutlich mehr erwartet.