Aufsteigende Ängste ohne Verortung

Die Künstlerin Annette Weisser zeigt im Kunstverein neben der Installation auch eine Fotoserie - Variationen eines Motivs aus Schülerarbeiten. (Foto: G. Gosewisch)

Künstlerin Annette Weisser eröffnet Ausstellung

Langenhagen (gg). Welche kulturelle Identität haben die Deutschen? Diese Frage wurde für die Künstlerin Annette Weisser erst wichtig, als sie im Ausland lebte. Nach einem Stipendium blieb sie zehn Jahre in den USA und widmete sich einem Begriff, den die Amerikaner als deutsche Eigenschaft benennen: „German Angst“.
Gemeint ist die für Deutsche typische, diffuse Angst, die eine ständige Lebenslast statt Leichtigkeit formt. Subjektiv und psychologisch arbeitet Annette Weiser dieses Klischee ab, orientiert sich an für sie prägende Jugenderfahrungen: Das Stillschweigen der Nachkriegsgeneration, das sich als emotionaler Druck fortsetzt.
„Aufsteigende Ängste, ohne Verortung – da ist etwas Fließendes“, erklärt Annette Weisser. Holzschnitte der Serie „Geister, Gitter, Übertritte“ sind in eine Installation eingefügt. Die Bilder erheben sich aus dem Untergrund. „Es ist ein Hervorbrechen, zurück bleibt ein Loch in der Oberfläche“, ergänzt Ursula Schöndeling, künstlerische Leiterin im Kunstverein.
Die Kontraste des Holzschnitts hebt Annette Weisser malerisch auf. „Die meisten Motive bewegen sich an der Grenze zur Abstraktion. Flüssigkeiten, die aus Öffnungen quellen, die Andeutung einer Clownsfratze, ein Chippendale-Muster, in welchem sich ein Hakenkreuz verbirgt. Ein Gespenst geistert durch die Ausstellung. Und wir begegnen einem Mädchen, das eine Schafsmaske heruntergezogen hat, die zugehörigen Schafsohren sitzen jedoch fest am Kopf“, kündigt Ursula Schöndeling an. Die Assoziationen der Künstlerin zu den jeweiligen Motiven sind spannend. So hat beispielsweise die Schafsmaske in der Verfilmung des Romans „Billiard um halb zehn“ von Heinrich Böll eine einprägsame Symbolik, die Annette Weisser aufgegriffen und verarbeitet hat.
Annette Weisser wurde im Jahr 1968 in Villingen geboren und studierte Kunst und Medien in Bremen und Köln. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Los Angeles. Seit 2007 ist sie Professorin am Art Center College of Design in Pasadena, Kalifornien. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit arbeitet sie zudem als Kuratorin, Kunstkritikerin und Autorin.
Die Ausstellung mit dem Titel „He had a killer body and he was an awesome dad but she was like I can't do this“ wird erstmalig im Kunstverein gezeigt. Die Ausstellung wird ermöglicht durch die Förderung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur.
Ausstellungseröffnung ist am Sonntag, 17. Mai, um 15 Uhr im Kunstverein, Walsroder Straße 91A. Gäste sind willkommen, der Eintritt ist frei.