Ausgewogen zu sich selbst

Karin El-Anwar, Diakonin
Lieben Sie im Gleichgewicht? Ich meine Ihre Liebe zu sich selbst und Ihren Mitmenschen. Gleichgewicht ist lebensnotwendig: Ist ein Gewässer nicht im Gleich-
gewicht, kippt es um. Hält die Hochseilartistin ihres nicht, kippt auch sie. Ist der Körper im Ungleichgewicht, wird er krank. Ist die Liebe nicht in Balance, krankt sie ebenso. Zu große Eigenliebe führt zu Unmenschlichkeit. Zu kleine Eigenliebe führt zu Selbstzweifeln, im Extremfall zu seelischer Erkrankung. Es ist
wichtig, dass Sie sich selbst annehmen, mit allen angeblichen in-
neren und äußeren Schönheitsfehlern sowie allen schlechten Erfah-
rungen, die Sie gemacht haben. Es gibt nämlich genügend Dinge, die
Sie gut können. Egal, was in Ihrem Leben falsch gelaufen ist, ab jetzt
dürfen Sie beginnen, es zu verändern. Wer sich bewusst selbst
liebt, muss sich Pausen gönnen, und eigene Bedürfnisse im Blick
haben. Raubbau an Körper, Seele und Geist hat nichts mit Liebe zu
tun! Nur wer ausgewogene Liebe zu sich selbst hat, kann Mitmen-
schen richtig lieben, akzeptieren, und ihnen Hilfe anbieten. Die
Grundlage dieser Liebe muss die Liebe zu Gott sein; denn er nennt
uns in der Bibel sein wichtigstes Gebot: „Du sollst den Herrn, dei-
nen Gott, lieben, von ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Ver-
stand und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Aber, wie kann man
Gott lieben? Man muss ihn besser kennen lernen! Das geht durch Le-
sen in der Bibel, zum Beispiel im Johannesevangelium. Dort finden wir den
Augenzeugenbericht eines Vertrauten von Jesus Christus. Diesen
schickte Gott als Mensch geboren auf die Erde, damit wir Gott besser
verstehen. Er wurde begreifbar und erfahrbar, vergleichbar einem Sohn,
der seinem menschlichen Vater ähnlich ist. Ein göttlicher Sohn,
durch Gottes Geist gezeugt, kann aber viel ähnlicher sein! So können
wir in Jesus Gottes Liebe zu uns sehen, annehmen und erwidern.
Zusammen mit der Liebe zu uns selbst und den Menschen entsteht
das ideale Liebesgleichgewicht.