Behütet

Am liebsten trifft er sich mit seinen Freunden auf dem Fußballplatz. Gleich nach den Hausaufgaben zieht er die Turnschuhe an und flitzt übers Feld. Doch im zu Ende gehenden Schuljahr hatte er sich in seinem vollen Kalender jede Woche anderthalb Stunden Zeit reserviert, nämlich für Gott.
Ein ganzes Jahr lang haben wir uns regelmäßig getroffen: im wöchentlichen Unterricht, bei Gottesdiensten und auch auf Freizeiten. Am Ende dieses Konfirmandenjahres stand dann vor ein paar Wochen die Konfirmation. Mit seinen drei besten Freunden stand er vor mir am Altar und sagte vor der Einsegnung seinen Konfirmationsspruch auf. Kurz war der, aber mit Sorgfalt ausgewählt: „Gott behüte deine Seele“, so heißt es in dem alten Psalm, der ihm so gefällt. Auch ich wünsche ihm das, dass Gott ihn behütet: in der Schule, auf dem Sportplatz, und überhaupt auf seinem Lebensweg. Darum habe ich ihm zum Segen die Hand auf den Kopf gehalten – als Zeichen dafür, dass Gott ihm einen ganz besonderen Hut aufsetzt, nämlich einen Hut voller Segen.
Er glaubt fest daran, dass Gott ihn behütet, denn er hat das erfahren und erlebt. Er hat mal erzählt, dass er als Grundschüler gestützt ist. „Es ist nichts wirklich Schlimmes passiert, denn ich war ja behütetet“, erinnerte er sich. Und doch habe er eine Nacht im Krankenhaus verbringen müssen. „Im ersten Moment war das schwer, als meine Eltern sich abends verabschiedeten und später die Nachtschwester das Licht ausmachte“, erzählte er und wusste es noch wie gestern: „Trotzdem fühlte ich mich nicht allein, denn ich spürte, dass Gott bei mir ist und mich behütet!“
Dieses Erlebnis hat ihn motiviert, mehr über Gott zu lernen und zum Konfirmandenunterricht zu kommen, wo sein Glaube fester werden konnte. Inzwischen steht er wieder jeden Nachmittag in seinen Turnschuhen. Wie es aussieht, wird er trotzdem zwischen durch mal Zeit reservieren für Gott. Er hat vor, in die Jugendgruppe zu kommen – damit er sich mit den anderen erinnert und das nicht vergisst, dass da jemand bei ihm ist, nämlich der, der ihn behütet.

Rainer Müller-Jödicke, Pastor