Bloß kein Winter mehr

„Stell dir vor, man könnte jeden Tag Schwimmen gehen, sogar an Weihnachten“, sagte unser Enkelkind. Wir standen vor dem Globus, drehten und schauten uns Afrika an. „Da ist immer Sonne.“ Ich spürte seine Begeisterung. Diese Idee schien allzu verheißungsvoll. Immer Sonne! Immer Toben im Wasser! Zu verlockend schien diese Idee, zumal es draußen ja noch unwirtlich kalt war, ein Wind zusätzlich die Beine frieren ließ. Der Winter hielt lange vor. Und jetzt, endlich, sprießen die Blumen. Es passiert das, was die Vögel schon lange ankündigen: Winter adé. Aufatmen. Den dicken Wintermantel für einige Monate einmotten, prima.
Wechseln die Jahreszeiten, wandeln sich auch die Stimmungen, man liest es den Menschen auf der Straße ab. Immer öfter huscht ein Lächeln über die Gesichter, man muss auch nicht mehr auf den Boden schauen, um nicht im Schnee auszurutschen. Es wird höchste Zeit, dass der Frühling wirklich kommt.
Es ist gut, dass wir nicht immer Sonne und Hitze haben, wie in Afrika in der Höhe des Äquators. Auch wenn wir hier nur für einige Monate unbeschwert draußen schwimmen können.
Ja, nach dem kalten Winter sehnen wir die Wärme herbei. Trotzdem ist es gut, dass wir so unterschiedliche Jahreszeiten erfahren dürfen.
In unserer Kirche ist diese Zeit ebenfalls eng mit einem Wandel verbunden. Wir nennen sie die Passionszeit. In den Gottesdiensten bedenken wir den Weg Jesu, der ihn schließlich ans Kreuz geführt hat. Ihn, der sich für die Menschen in Not eingesetzt hat, Mut zu einem eigenbestimmten Leben machte.
Wir gehen auf Ostern zu und wissen als Christen, dass davor der Karfreitag steht. Doch die Hoffnung ist da, dass dieser Tag nicht das Letzte bleibt. So ist dieser Übergang vom Winter zum bunten Osterfest mit diesem Weg der Sammlung, auch der Einkehr verbunden. Umso schöner wird es dann, dem nachzuspüren, dass Gott ein Gott des Lebens und nicht des Todes ist.

Martin Bergau, Superintendent