Blütenkulisse gibt Rätsel auf

Claudia und Dirk Rademacher wundern sich über die Wuchskraft ihrer Rose im Reihenhausgarten. (Foto: G. Gosewisch)

Fabelhaftes Naturphänomen im Reihenhausgarten

Krähenwinkel (gg). „Unsere Rose ist kein Busch, sie ist ein Baum“, sagt Claudia Rademacher. Was nach Jägerlatein-Dimensionen klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung noch tiefgestapelt, denn die Beschreibung Leuchtturm trifft. Tatsächlich greift die Rademacher-Kletterrose, botanisch Rambler-Rose (Sorte Lykkelund), an einer Lärche als Rankhilfe nach dem Himmel. Wer im kleinen Reihenhaus-Garten steht, muss den Kopf schon weit in den Nacken legen, um die entferntesten Blüten zu sehen. Die Blütenwand ist nicht nur fabelhafte zehn Meter hoch, sondern auch entsprechend breit. Just nach dem visuellen Begreifen wird der Betrachter vom betörenden Blütenduft eingenommen, erliegt der Verlockung der Natur und wird einem Parfum aus der Flasche fortan skeptisch gegenüberstehen. „Die Duftwolke aus dieser Rose breitete sich über alle Gärten in der Reihenhaus-Linie aus“, sagt Claudia Rademacher mit einem Schmunzeln. Es vergeht kein Tag, an dem die Bewunderung für die Rose nicht zur Sprache kommt. Nachbarn freuen sich, Besuchern verlangen Erklärungen für das Unerklärliche. „Dabei ist es ganz einfach“, sagt Claudia Rademacher. So habe sie gemeinsam mit ihrem Mann Dirk vor rund 30 Jahren die Rambler-Rose im Fachhandel gekauft, weil die besagte Lärche im Garten verkahlte. Derzeit waren beide noch im Beruf, Claudia Rademacher als Grundschullehrerin und Dirk Rademacher als Ingenieur. Nach der Pflanzung ist von Menschenhand nichts Wuchsförderndes mehr geschehen. „Die Rambler-Rose hat keine Stacheln. Sie verankert sich beim Klettern in den trockenen Lärchenästen so sicher, dass nichts gebunden oder gestützt werden muss. Ein Schnitt nach dem Verblühten ist denkbar, aber in diesen Dimensionen nicht realisierbar“, erklärt Claudia Rademacher. So entstehen bald nach der Blüte Hagebutten, die jedoch von den Vögeln nach und nach vertilgt werden. So wird nach der Blütenpracht bald das Zwitscher-Konzert folgen. Sehen, riechen, hören. Die Rademacher-Rose verortet die Sinnlichkeit in Krähenwinkel.