Bürger sehen eine Ruine entstehen

Stefan Otte leitet den Badbetrieb in Godshorn. In dieser Sommersaison können Besucher das große Gelände noch nutzen. (Foto: Archiv G. Gosewisch)

Konzept nach Schließung des Hallenfreibads fehlt

Godshorn (gg). Ortsbürgermeister Willi Minne blickt sorgenvoll auf das Wutbürger-Benehmen, das er jüngst in Versammlungen erlebt hat. Nach dem Streit um den Standort für eine Flüchtlingsunterkunft drängt sich nun Handlungsbedarf zur nahenden Schließung des Schwimmbads auf, doch Investoren werden nicht gesucht.

Anliegerinteresse für Veränderungen im Ort ist erwünscht, keine Frage. Willi Minne fühlt sich als Demokrat einer ruhigen und sachlichen Diskussion verpflichtet. Wenn aber „Politik von der Straße aus gemacht wird“ und „Verleumdungen im Raum stehen“ vergiften Emotionen den Diskurs - so geschehen beim Thema Flüchtlingsunterkunft. „Das ist unerträglich“, resümierte der Ortsbürgermeister und kündigte an, zwar noch einmal für den Sitz im Rat, aber nicht mehr für den Ortsrat zu kandidieren, das ECHO berichtete. Das letzte Votum zur Nachnutzung des Godshorner Schwimmbades, das in einem Jahr geschlossen wird, wird im Rat fallen. Es geht um viel Geld. Wohnbebauung, Gewerbeansiedlung oder Sondernutzungen sind möglich. Die Entscheidung dazu ist völlig offen, da es kein Ratsvotum zum Konzept gibt. „Da kümmert sich keiner drum“, sagt Willi Minne. Offensichtlich sorgen sich die Anlieger aber bereits darum, bald eine Ruine vor der Tür zu haben – so als Einwurf in Sitzungen formuliert. „Sarkastisch macht sogar die Idee die Runde, das Bad in ein Aquarium umzuwandeln“, sagt Stadtbaurat Carsten Hettwer. Auf die ECHO-Anfrage zum Nachnutzungskonzept und dem Stand der Investorensuche erklärt er, dass es die nicht gebe.
Voraussetzung für ein Tätigwerden der Stadtverwaltung sei eine Begriffsnennung seitens des Rates und damit der Politik zum Nachnutzungskonzept. Zudem müsse der Bebauungsplan geändert werden. Er ergänzt: „Ich glaube nicht, dass die Diskussion zu diesem Thema seitens der Politik vor der Kommunalwahl im September gewünscht ist.“
SPD-Fraktionschef Marc Köhler sagt: "Natürlich arbeitet die Politik auch in der Wahlkampfphase weiter. Auf der anderen Seite haben wir jetzt bereits Ende April. Am 23. Juni beginnt die Sommerpause. Da ein Entscheidungsprozess unter Bürgerbeteiligung Zeit braucht, wird eine Entscheidung ohnehin nicht mehr in dieser Ratsperiode fallen. Von daher macht es Sinn, dieses Verfahren gleich mit dem neuen Rat und dem neuen Ortsrat zu beginnen, die dann auch die Entscheidung treffen werden.“
Anders als vom Stadtbaurat dargestellt sei es Aufgabe der Stadtverwaltung, Vorschläge zur Nachnutzung zu machen. Marc Köhler sagt: „Die Verwaltung hat teilweise ein viel zu passives Aufgabenverständnis.“
Ratsherr Bernd Speich (unabhängig) betont, dass er immer für die Erhaltung des Freibades Godshorn eingetreten sei. Er sagt: Ich weiß nur, dass die Politik das alles platt machen will und keine Nachnutzung im Auge hat. Vor den Kommunalwahlen wird nichts passieren.“ Ratsherr Wilhelm Behrens (unabhängig) meint, dass das Thema derzeit nicht wichtig ist: „Langenhagen hat ganz andere Probleme.“