Bundeswehr sucht den Schulterschluss

Übungszeiten kommen auf Homepage der Stadt

Langenhagen (ok). Sie traten freundlich, aber auch bestimmt auf, die drei hochrangigen Vertreter der Bundeswehr. An einem guten nachbarschaftlichen Verhältnis sei ihnen natürlich sehr gelegen, sagte Oberst Michael Buck, stellvertretender Kommandeur des Landeskommandos Niedersachsen. Zusammen mit seinen Kollegen Oberstleutnant Ottmar Strehler und Oberstleutnant Knut Freter stellte er sich den Fragen der Anwohnerinnen und Anwohner aus der Silberseesiedlung. Die waren auf den Plan getreten, weil die Bundeswehr ihren Übungsbetrieb auf dem Standortübungsplatz an der Stadtgrenze seit etwa einem Jahr intensiviert hat. Praktische Übungen, die laut Buck notwendig sind, werden doch seit etwa einem Jahr Feldjäger in Hannover ausgebildet; etwa 50 bis 100 Soldaten genießen ihre „infanteristische Basisausbildung“ auf dem 248 Hektar großen Gelände, vorzugsweise von Montag bis Donnerstag. Und Buck machte deutlich: „Wir haben niemals auf diesen Platz verzichtet, auch wenn er in der Vergangenheit weniger genutzt worden ist.“ Kurz ging er auf die Historie des Standortübungsplatzes ein, auf dem bis 1993 noch mit schwerem Gerät geübt wurde. Oberstleutnant Strehler erläuterte den Unterschied eines Standortübungsplatzes zum Truppenübungsplatz, der rund um die Uhr für die Zivilbevölkerung gesperrt ist. Anders verhält es sich vor den Toren Langenhagens: Dort ist der Platz im Landschaftsschutzgebiet in der Regel an den Wochenenden sowie abends von 22 bis 6 Uhr offen – sowohl für Spaziergänger als auch für Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner allerdings anleinen. „Wir werden unsere konkreten Übungszeiten ab dem kommenden Jahr auf der Homepage der Stadt Langenhagen veröffentlichen“, kündigte Oberstleutnant Streter eine engere Zusammenarbeit mit der Kommune an. So wurde zum Beispiel im letzten Quartal des zu Ende gehenden Jahres an 34 von 76 möglichen Tagen geübt; in den ersten drei Monaten des kommenden Jahres sind es 22 von 64 mögllichen Tagen. Einer der Wortführer in der Diskussion, Hans Kordyla, fragt sich, warum die Bundeswehr die Schießanlage – sie steht am nordwestlichen Rand – nicht weiter in die Mitte des Platzes versetze, der sei doch schließlich groß genug. Eine konkrete Antwort blieb Oberst Buck zwar schuldig, verwies vielemehr darauf, dass eine Schießkommission so entschieden habe. Gleichzeitig versprach er aber, die Angelegenheit weiter zu prüfen, genauso wie nach Alternativen für die Ausbildung der Rettungshundestaffel zu suchen.
Obwohl die Soldaten mit so genannter Manöver- und Übungsmunition „in den Platz hinein“ schießen, besteht bei den Anwohnerinnen und Anwohnern Sorge wegen „der Unerfahrenheit der Soldaten, die noch in der Ausbildung stehen“. Der Radweg sei nur 100 Meter; der nächste Kindergarten 500 Meter entfernt. Die drei Offiziere legten ihre Hand für die Leitenden und die Aufsicht beim Schützen ins Feuer, sie alle würden ihren Job gewissenhaft ausführen, müssten im Falle eines Fehlers ja auch mit drastischen Sanktionen rechnen, sogar Gefängnisstrafen seien notwendig. Buck: „ Wir müssen sorgfältig zwischen den Interessen der Bürger und den militärischen Notwendigkeiten abwägen. Schließlich haben wir Verantwortung für unsere Soldaten im Einsatz und dürfen keine faulen Kompromisse eingehen."