Comedy mit Tiefgang

Comedian David Leukert widmet sich der Beobachtung in der Welt der Frauen.
 
Spontan gestaltet Thomas Kreimeyer das Gespräch mit dem Publikum.

Mimuse-Programm bietet Auswahl

Langenhagen. Feinste Comedy bietet das Programm der Kleinkunstbühne Mimuse in den nächsten Tagen und Wochen.
Unter dem Titel "Schu Liebling, der Mond nimmt auch zu" widmet sich David Leukert dem richtigen Umgang mit den Frauen. In seinem neuen Programm trägt er dick auf. Die Hoffnung, es könnte in Stilfragen zu einer Trendwende kommen, zerschlägt sich allerdings schnell: Siegerin bei der Wahl zur Miss America ist leider keine „stämmige Frau", wie er zunächst glaubte zu lesen, sondern eine indisch-stämmige. Als Miss-Bildung der Nation gilt ohnehin Frau Katzenberger, und schon sind wir mittendrin in einer Welt, die zwischen zwei Extremen pendelt: Auf der einen Seite gnadenlose Idiotie, auf der anderen erschreckende Blödheit.
Allen Widrigkeiten zum Trotz versucht der Berliner die großen Rätsel der Menschheit zu lösen: Gibt es ein Leben in der Ehe? Ist die Politik mit Sigmar Gabriel wirklich weiblicher geworden? Wer hat dem Innenminister den offenen Vollzug genehmigt? Wenn wir das beste Lärmschutzgesetz Europas haben, warum hört man dann in jeder Talkshow Claudia Roth?
Stellvertretend für den modernen Mitbürger stolpert David Leukert durch den Alltag der Gegenwart. Überall lauern sprachliche Fallen, musikalische Gefahren (Fischer, Wendler, Nahles!) und lebendige Widersprüche: Wir haben Angst vor Stalkern, wollen in den sozialen Netzwerken aber möglichst viele Follower. Und dann wären da noch diese schwer erziehbaren Kinder, oder wie einige Pädagogen sie nennen: Männer.
David Leukert ist am Freitag, 3. Februar, um 20 Uhr im daunstärs an der Konrad-Adenauer-Straße 17 zu erleben.
Vergnüglich geht es weiter am Donnerstag, 9. Februar, um 20 Uhr im daunstärs, wenn Thomas Kreimeyer sein Steh-Greif-Kabarett zeigt. Er ist ein sich unterhaltender Unterhalter. Er kommt mit den Zuschauern in das Gespräch. Die Zuschauer mit ihm.
In der Laudatio für den in Wien gewonnenen Österreichischen Goldenen Kleinkunstnagel heißt es:"Kreimeyer webt ein Netz mit dem und über das Publikum. Er macht aus jeder Wortspende ein Vermögen."
Das Theater ist stets am Nerv der Zeit. Sucht immer wieder nach modernen Formen. Kann aber gar nicht so spontan sein wie Thomas Kreimeyer's Steh-Greif-Kabarett. Denn es ist lebendig und jeden Abend neu. Der eine sagt was. Der andere auch. Und schon ist es passiert. Was für ein Theater.
Theater ist ein Ort des Dramas. Beim Steh-Greif-Kabarett fließen die Tränen jedoch auch noch aus ganz anderen Gründen.
Thomas Kreimeyer nimmt die Zuschauer beim Wort - nimmt das Leben wörtlich. Mehr aus dem Leben gegriffen geht nicht. Das Thema des Theaters ist Kommunikation. Bei Kreimeyer findet sie tatsächlich statt - und macht Spaß!
An einem einzigen Kreimeyer-Abend kann vom Lustspiel übers Drama bis zum Kabarett alles geschehen. Und das tut es auch.
"Moral - eine Laune der Kultur" heißt der freche Titel von Timo Wopp am Freitag, 17. Februar, um 20 Uhr im Theatersaal an der Rathenaustraße.
Wir haben alle unfassbar viel Angst. Früher war es die Angst vor saurem Regen. Heute ist es die Angst vor Überfremdung. Oder schlimmer noch die Angst, kein Wlan zu haben. Unsere allergrößte Angst ist aber, von denen da oben belogen zu werden. Dass wir uns das getrost sparen können, zeigt Timo Wopp in seinem zweiten, ständig aktualisierten Programm. Denn schonungslos ungefiltert illustriert er, dass niemand uns mehr belügt als wir selbst. Und für diese These könnte es kein besseres Beispiel geben als ihn selbst.
Bei Timo Wopp wird alles Private politisch und damit angreifbar. Jede Pointe ist ein distanzloses Eingeständnis der eigenen Ressentiments und des persönlichen Scheiterns. Er nennt das Kind beim Namen, so hässlich es auch sein mag. Dabei ist Timo Wopp in seiner Verlogenheit so bestechend ehrlich, dass einem beim Zuhören schon mal der eigene moralische Kompass durcheinander geraten kann. Aber zum Glück weiß Google ja eh immer, wo wir sind. Wer braucht da noch einen Kompass?
Ob Timo Wopp seinem Publikum einen Spiegel vorhält, das dürfen die Zuschauer selbst entscheiden. Wenn er es tut, dann wissen am Ende des Abends alle wie moralisch schizophren wir sind. Das ist traurig. Aber lustig war es dann schon.
Karten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen und im HAZ/NP-Ticket Shop im CCL, Marktplatz 5.