Damit ihr Hoffnung habt

Kirchentagsfeeling in München: Hunderte Menschen mit Rucksäcken, Isomatten, Regenjacke und Kirchentagsführer bewaffnet, die sich auch bei miesem Wetter wild entschlossen auf den Weg machen, um an den Veranstaltungen des zweiten Ökumenischen Kirchentags in München teilzunehmen. Zu hunderten nächtigen sie in vollen Klassenräumen, Campingplätzen und anderen wenig gemütlichen Quartieren. Manche U-Bahnlinien sind ständig überfüllt. Mehr als eine halbe Million Besucher aus allen Teilen Deutschlands und der Welt und rund 3.000 Veranstaltungen, das verwandelt für einige Tage das Gesicht der Stadt.
Ein Eindruck ist bei mir nach diesem Ökumenischen Kirchentag besonders haften geblieben: Es ist für die allermeisten Kirchentagsbesucher überhaupt nicht wichtig wer nun welcher Kirche angehört. An der Basis scheint das für viele Menschen keinen Unterschied zu machen. Sie sind sehr wohl in der Lage, in der Vielfalt die Gemeinschaft zu leben. Auch das ist für mich Kirchentagsfeeling.
Eine Frau, die mich während meiner Arbeit am Stand unseres Projekts für Aidswaisenkinder in Südafrika anspricht, bringt es auf den Punkt: “Wieso sollte es so wichtig sein, sich über Fragen konfessioneller Unterschiede den Kopf zu zerbrechen? Es sind doch ganz andere Themen, die uns bewegen, Fragen von Armut und Umweltzerstörung zum Beispiel.”
Ich finde sie hat Recht. Angesichts solcher Aufgaben sollte keine Kirche oder christliche Gemeinschaft bloß um ihren Selbsterhalt besorgt sein oder darum sich, sich möglichst von anderen abzusetzen.
Ich jedenfalls habe viele Menschen erlebt, die fähig sind, sich zu öffnen und nicht nur bei sich zu bleiben, Menschen, die sich gegenseitig ermuntern in ihrer Arbeit, sich interessiert zeigen und voneinander lernen wollen.
Sie alle sind beseelt von dem Wunsch sich gegenseitig zu inspirieren, weil sie begriffen haben, dass man an dem Traum einer gerechteren und heilenden Welt nur gemeinsam arbeiten kann. Denn die Botschaft, die in den Geschichten der Bibel nun seit Jahrtausenden weitergegeben wird, ist eine Vision, der noch immer keine Wirklichkeit entspricht.
“Damit ihr Hoffnung habt”, so lautete das Motto des diesjährigen ökumenischen Kirchentags. Mir jedenfalls hat dieses Kirchentagsfeeling fernab dogmatischer Streitigkeiten Hoffnung und Mut gemacht.
Hanna Wagner, Vikarin