Das Glück der „Danach-Geborenen“

Sieht sich als Gewinner, nicht als Verlierer: der Theologe Rainer Eppelmann. (Foto: O. Krebs)

DDR-Oppositioneller Rainer Eppelmann im Schulzentrum über Diktatur und Demokratie

Langenhagen (ok). Diktatur oder Demokratie – das sei die Schicksalsfrage der Deutschen. Rainer Eppelmann (73) weiß wovon er spricht, schließlich war der Theologe wegen seiner oppositionellen Haltung jahrelang Staatsfeind Nummer eins in der ehemaligen DDR. Im Schulzentrum sagte der ehemalige Minister im Kabinett von Lothar de Maiziére zu den Schülern des Gymnasiums und der IGS: „Liebe Danach-Geborene, ihr habt das Glück, in einer Demokratie geboren worden zu sein.“ Und wie für ihn das Leben in einer Diktatur abgelaufen ist, machte Eppelmann an vielen beeindruckenden Beispielen deutlich. Aufgewachsen in Ost-Berlin besuchte Eppelmann ein Gymnasium im Westteil der Stadt. Der 13. August 1961 – der Tag des Mauerbaus – veränderte sein Leben radikal. Für Eppelmann, der weder bei den Jungen Pionieren noch bei der Freien Deutschen Jugend (FDJ) Mitglied war, gab es in der sozialistischen Gesellschaft keine Aufstiegsmöglichkeiten. Den Besuch der Oberschule, das Abitur und seinen Berufswunsch Architekt konnte er abhaken. Stattdessen hieß es beruflich für ihn Dachdeckerhilfsarbeiter und Maurerlehre. „Mit jedem Tag habe ich unsere Gesellschaft negativer gesehen“, sagt Eppelmann, der sich wie 90 Prozent der DDR-Bürger allabendlich den Westen mit ARD und ZDF auf den Bildschirm geholt hat. Ausflüge, die aber auch Neid geweckt hätten. Sind die besser als wir, oder warum führen sie ein besseres Leben und können sich mehr leisten? Warum sind unsere Autos aus Pappe und die im Westen aus Blech? Eppelmann: „Es gab bei uns nur drei Varianten: „Entweder abhauen, sich die heile Welt übers Fernsehen holen oder einfach nicht auffallen.“ Die letzte Möglichkeit war nicht seine, wegen der Verweigerung des Dienstes an der Waffe bei der Nationalen Volksarmee und der Ablegung des Fahneneides musste er sogar für acht Monate ins Gefängnis. So habe es beruflich nur einen Ausweg für ihn gegeben. Ein Studium der evangelischen Theologie nach mittlerer Reife und abgeschlossener Berufsausbildung. Der richtige Weg, den Eppelmann – er fühlt sich als Gewinner nicht als Verlierer – hat jahrelang als Gemeindepfarrer in Berlin gepredigt. Die Staatssicherheit habe mehrere Anschläge auf sein Leben ausgeübt, er habe sich in der DDR immer „fremd im eigenen Haus“ gefühlt, war aber trotz Honecker und Ullbricht glücklich. Deutschland sei auch heute kein Schlaraffenland mahnte er, Ztivilcourage auch bei uns nicht selbstverständlich. Demokratie sei keine Selbstverständlichkeit, sondern müsse stetig verbessert, gestärkt und notfalls verteidigt werden. Die Wiedervereinigung sei aber das gemeinsame Werk auf das wir aufbauen könnten, und der 9. November 1989 – der Tag des Mauerfalls – somit der glücklichste in seinem Leben.