Das Händchen für Stoff macht es möglich

Marita Künnecke (links) und Beate Wittek arbeiten im Zwergenschuh-Lädchen Hand in Hand. (Foto: G. Gosewisch)

Beate Wittek wagte mit 61 Jahren einen Quereinstieg

Kaltenweide (gg). „Mach dies doch mal in warmer Version!“ Marita Künnecke staunte nicht schlecht beim ersten Gespräch mit Beate Wittek über ihre forschen, aber auch pragmatischen Vorschläge dieser Art, denn eigentlich ist sie die Chefin, näht seit knapp zwei Jahrzehnten in ihrem kleinen Lädchen Zwergenschuhe, Mützen, Schals und Accessoires. Die beiden Frauen sind sich vor einigen Wochen im benachbarten Hofladen bei Baumgartes begegnet. Beate Wittek sagt: „Ich bin da mal hingefahren, weil ich von einer Freundin gehört habe, dass eine Hobby-Näherin gebraucht wird.“ Marita Künnecke bestätigt: „Zusätzlich zu den Zwergenschuhen möchte ich den Kunden eine schöne Auswahl bieten, doch dafür reicht mir oft die Zeit nicht.“ Die Zwergenschuhe, maßgeschneiderte Leder-Hausschuhe für Kinder, fertigt sie größtenteils auf Bestellung. Bei Kunsthandwerker-Märkten oder auf Weihnachtsmärkten bietet sie auch gerne vorgefertigte Schuhe an. „Nett ist es dann, wenn die Kunden noch nach etwas anderem stöbern können“, sagt Marita Künnecke. Die Meisterin im Sattler-Handwerk ist wahrer Profi, hat in allen Facetten ihres Berufes schon gearbeitet: Autopolsterei (Oldtimer), Reitsport-Zubehör und sogar Segel-Herstellung. Beate Wittek kann da nicht mal ansatzweise mithalten. Sie ist gelernte Zahntechnikerin. Das Nähen ist nur ihr liebstes Hobby. Die Freude an dem, was beim Nähen entsteht, wie hübsche Kleidchen für ihre Tochter und nun für die Enkeltochter oder Patchwork-Decken, hat sie über die Jahre vorangetrieben. So eignete sie sich immer mehr Nähtechnik an, holte sich von Zeit zu Zeit auch Rat von Profis. Die eingangs beschriebene „warme Version“, genauer eine Mütze, die Winterteddy-Futter bekommen sollte, nähte sich vor den Augen von Marita Künnecke demonstrativ vor. „Sehr geschickt, sicher in der Naht. Beate hat ein Händchen für Stoff - ruckzuck hatte ich eine entzückende Kindermütze in der Hand, die mir sofort gefiel“, sagt sie. So galt fortan für die beiden Frauen: gesucht und gefunden. Ein Minijob wurde eingerichtet. Beide sind überzeugt, einen Vorteil in dieser Konstellation zu haben. Marita Künnecke spürt eine Entlastung, Beate Wittek eine neue Freiheit. Sie sagt: „In der Zahntechnik kann ich wegen gesundheitlicher Einschränkung nicht mehr in Vollzeit arbeiten, bekomme Erwerbsminderungsrente. Da kommt mir der Minijob recht. Es macht mir Spaß und nur zu Hause sein, füllt mich nicht aus.“ Und die Qualität der Produkte? Kunden sind naturgemäß kritisch. Marita Künnecke erklärt: „Das professionell Handwerkliche ist hier in meiner Werkstatt für Jedermann zu sehen.“ Tatsächlich lässt sich die Sattlerin bei ihrer Arbeit gerne über die Schulter schauen, produziert im hinteren Teil des Lädchens - pragmatisch!