Das Handeln eines Menschen beurteilen

Wahl der Schöffen und Jugendschöffen

Langenhagen. Bis Ende März können sich Interessierte bei der Stadtverwaltung Langenhagen melden, die vom 1. Januar 2019 bis zum 31. Dezember 2023 als Jugend- oder Erwachsenenschöffe ehrenamtlich tätig sein wollen. Die Wahl erfolgt in der zweiten Jahreshälfte 2018 beim Amtsgericht Hannover. Die Bewerberinnen und Bewerber müssen in Langenhagen mit 1. Wohnsitz gemeldet und am 1. Januar 2019 zwischen 25 und 69 Jahre alt sein. Sie müssen die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und die deutsche Sprache ausreichend beherrschen. Bei welchen Voraussetzungen ein Kandidat von der Wahl für das Jugend- und Erwachsenenschöffenamt ausgeschlossen werden muss, informiert der Fachdienst Ordnungswesen Interessierte unter der Telefonnummer (0511) 73 07 - 92 14. Dort sowie im Internet unter www.langenhagen.de erhalten sie weitere Informationen und die Bewerbungsunterlagen für das Schöffenamt.
Für die Ausübung ihres Amtes müssen Schöffen über die Kompetenz verfügen, das Handeln eines Menschen in seinem sozialen Umfeld beurteilen können. Von ihnen werden Lebenserfahrung und Menschenkenntnis erwartet. Die ehrenamtlichen Richter müssen Beweise würdigen. Aus den vorgelegten Zeugenaussagen, Gutachten oder Urkunden sollten sie die Wahrscheinlichkeit ableiten können, ob sich ein bestimmtes Geschehen so ereignet haben könnte oder nicht. Die Lebenserfahrung, die ein Schöffe mitbringen muss, kann sich aus beruflicher Erfahrung und/oder gesellschaftlichem Engagement rekrutieren. Dabei steht nicht der berufliche Erfolg im Mittelpunkt, sondern die Erfahrung, die im Umgang mit Menschen erworben wurde. Schöffen in Jugendstrafsachen sollten in der Jugenderziehung über besondere Erfahrung verfügen. Das verantwortungsvolle Amt eines Schöffen verlangt in hohem Maße Unparteilichkeit, Selbstständigkeit und Reife des Urteils, aber auch geistige Beweglichkeit und – wegen des anstrengenden Sitzungsdienstes – gesundheitliche Eignung.
Schöffen müssen ihre Rolle im Strafverfahren kennen, über Rechte und Pflichten informiert sein und sich über die Ursachen von Kriminalität und den Sinn und Zweck von Strafe Gedanken gemacht haben. Sie müssen bereit sein, Zeit zu investieren, um sich über ihre Mitwirkungs- und Gestaltungsmöglichkeiten weiterzubilden. Wer zum Richten über Menschen berufen ist, braucht ein großes Verantwortungsbewusstsein für den Eingriff in das Leben anderer Menschen. Objektivität und Unvoreingenommenheit müssen auch in schwierigen Situationen bewahrt werden, etwa wenn der Angeklagte aufgrund seines Verhaltens oder wegen der vorgeworfenen Tat zutiefst unsympathisch ist oder die veröffentlichte Meinung bereits eine Vorverurteilung ausgesprochen hat.
Schöffen sind mit den Berufsrichtern gleichberechtigt. Für jede Verurteilung und jedes Strafmaß ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit in dem Gericht erforderlich. Gegen beide Schöffen kann niemand verurteilt werden. Jedes Urteil – gleichgültig ob Verurteilung oder Freispruch – haben die Schöffen daher mit zu verantworten. Wer die persönliche Verantwortung für eine mehrjährige Freiheitsstrafe, für die Versagung von Bewährung oder für einen Freispruch wegen mangelnder Beweislage gegen die öffentliche Meinung nicht übernehmen kann, sollte das Schöffenamt nicht anstreben.
In der Beratung mit den Berufsrichtern müssen Schöffen ihren Urteilsvorschlag standhaft vertreten können, ohne besserwisserisch zu sein, und sich von besseren Argumenten überzeugen lassen, ohne opportunistisch zu sein. Ihnen steht in der Hauptverhandlung das Fragerecht zu. Sie müssen sich entsprechend verständlich machen, auf den Angeklagten wie andere Prozessbeteiligte eingehen können und an der Beratung argumentativ teilnehmen. Ihnen wird daher Kommunikations- und Dialogfähigkeit abverlangt.