Das perfide System DDR

Suchte den Dialog mit den Gymnasiastinnen und Gymnasiasten: Ines Geipel.Foto: O. Krebs

Ines Geipel mit persönlicher Betroffenheit

Langenhagen (ok). Sie war Spitzensportlerin in der DDR, flüchtete über Ungarn in den Westen und ist heute Literaturprofessorin an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin. Mit persönlicher Betroffenheit brachte Ines Geipel den Oberstufenschülerinnen und -schülern das unmenschliche und perfide System im anderen Teil Deutschlands näher, das diese nur vom Hörensagen und von Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern kennen. Geipel konzentriert sich auf die Suche nach verbotenen Autoren in der ehemaligen DDR, hat Originalmaterial von mehr als 100 Autoren – insgesamt 70.000 Manuskriptseiten – in einer Stiftung in Berlin gesammelt. Die Zeit in der DDR sei für Viele in allen möglichen Lebensbereichen eine Zeit gewesen, die in den Anfangsjahren mit harter Repression angefangen habe, die schließlich in stiller Zersetzung geendet habe. Gerade nach dem Prager Frühling 1968 habe ein Strukturumbau stattgefunden. Das Regime der DDR habe eine Nationalliteratur aufbauen wollen; die Angst der Zeit spiegele sich in den Texten wider. Mit dem "Prager Frühling" habe auch der Geheimdienst einen Modernisierungsschub erfahren; junge Autoren seien in Subszenen aktiv gewesen; die Zahl der informellen Mitarbeiter habe sich rasant erhöht. "Der Kontakt zu den Medien im Westen bot da schon einen gewissen Schutz", so Ines Geipel. Denn wenn Autoren noch keinen Namen hätten, sei es ein Leichtes, sie kaputtzumachen. Das Zwangssystem, in dem zum Beispiel auch das Thema Zwangsdoping eine große Rolle gespielt habe, habe sich zum Systemzwang entwickelt, in dem das einzelne Individuum keine große Rolle gespielt habe. Das Resultat seien "kaputte Körper und Seelen" gewesen. Ines Geipel mahnte auch in Zeiten der Demokratie zu Wachsamkeit: "Sie müssen immer kritisch durch die Welt laufen."