Das sind schon kleine Kunstwerke

Seit Jahren mit der Herstellung von Schützenscheiben befasst (von links): Ursula Bierschenk, Ralph Sensing, das Ehepaar Irmgard und Hermann Sensing. Rechts Peter Patz, Vorsitzender der Schützengesellschaft, die seit 66 Jahren Stammkunde bei den Sensings ist. (Foto: K. Raap)

Die Firma Sensing stellt seit 66 Jahren Schützenscheiben her

Langenhagen (kr). In diesem Jahr feierte das Langenhagener ECHO ein wenig unkonventionell sein 66-jähriges Jubiläum. Als Ralph Sensing, Chef der am Pferdemarkt beheimateten Malermeister Sensing GmbH, in der Sonderausgabe der 1950 gegründeten Zeitung blätterte, erinnerte er sich, dass auch sein Unternehmen eine besondere Beziehung zu diesem Jahr hatte. Denn damals, vor genau 66 Jahren, entstand dort außerhalb des „normalen“ Malerbetriebs die erste Schützenscheibe. Initiiert wurde das vom  legendären „Onkel Gustav“. Gustav Sensing hatte 1921 die Firma gegründet und seinen Bruder Hermann mit in die  Geschäftsführung  geholt. Gustav Sensing wurde übrigens 100 Jahre alt. Die Sensings hatten mit Hermann Sensing jun., dem heutigen Senior, einen würdigen Nachfolger für den Betrieb gefunden. Und der hatte eine besondere Schwäche für die Scheibenmalerei, die ihn nicht mehr losließ. Abnehmer der Schützenscheiben war seit 1950 zunächst ausschließlich die Schützengesellschaft Langenhagen von 1908, in der auch die Sensings aktiv sind.  Bis heute wurde jede Königsscheibe im Betrieb Sensing gemalt. Und die in einer Liste seit 1950 akkurat festgehaltenen Namen verkörpern eine Riege prominenter Bürger. Die erste Königsscheibe ging 1950 an Harry Schröder. Es folgten unter anderem Günter Krüger, Fritz Kelle, Karl Otto jun., Albert Peinemann, Adolf Volmer, Fritz Stötefeld, H.G. Klenke, Uwe Eikemeier, Fritz Blumentritt, Rolf Fischer, Theo Schomburg, Peter Hinrichsen, Jochen Greeske, Wilhelm Benninger und Jörg Bode. Und nach der 1981 gegründeten Damenabteilung in der Schützengesellschaft kam dann jährlich auch eine Scheibe mit einer Königin dazu. Die ersten weiblichen Majestäten waren Marlies Brandes, Lore von der Decken und Hildegard Nagel.
Vor über 50 Jahren übernahm Ursula Bierschenk, die Schwester von Hermann Sensing, die filigrane Gestaltung der Scheiben. Inzwischen schmücken über 600 von Ursula Bierschenk gefertigte Scheiben Häuserwände, Giebel und Balkone unzähliger Majestäten Langenhagener Schützenvereine. Gefragt sind die Scheiben aber auch in vielen Schützenvereinen außerhalb der Flughafenstadt. Bei den Motiven dominieren Jagdmotive. Früher wurden vor allem Auerhähne, röhrende Hirsche, Hasen und Wölfe gewünscht. Beliebter sind heute Wildschweine und Füchse. Aber auch Elefanten, Hunde und sogar Fische oder auch Landschaften wünschten sich einige Majestäten auf ihren Königs-Scheiben. Die unzähligen Abnehmer von Scheiben aus der Sensing GmbH, die längst in dritter Generation von Ralph Sensing geführt wird,  freuen sich, dass diese Fertigung auch künftig weitergeht. Im Umsatz des modernen Unternehmens, das in diesem Jahr 95 Jahre alt wird, spielt die Scheiben-Produktion natürlich eine untergeordnete Rolle. Aber die Firma, die ein umfassendes Angebot von klassischen bis kreativen Leistungen rund ums Haus anbietet, betreibt auch weiterhin mit der Schilder-Malerei äußerst sympathische Öffentlichkeitsarbeit.