Demografie versus Überangebot

Diskussion: zukünftiges Wohnen und Leben im Alter

Langenhagen (dl).„Brauchen wir neben den bereits bestehenden eine weitere stationäre Altenpflegeeinrichtung in Langenhagen?“ so lautet die Frage des Pflegenetzwerkes Stationäre Pflege in Langenhagen. „Ja“, antwortet Stadträtin Monika Gotzes-Karrasch, „der demografische Wandel besagt nicht ja nur, dass die Zahl der pflegebedürftigen Menschen mittelfristig aufgrund ihres hohen Alters immer größer wird, sondern dass diese Menschen parallel dazu auch immer weniger pflegende Angehörige haben werden. Somit sei das derzeitige Überangebot an stationären Pflegeplätzen auch unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten.“ Gotzes-Karrasch ist allerdings skeptisch, was die Aussagekraft der vom Pflegenetzwerk und dem Seniorenbeirat geforderten Bedarfsanalyse angeht. „Wir können nicht mit Sicherheit sagen, wie groß der Bedarf in zehn oder 20 Jahren tatsächlich sein wird.“ Christa Röder, die Vorsitzende des Seniorenbeirats widerspricht dieser Auffassung und lehnt die Schaffung einer weiteren Pflegeeinrichtung rundweg ab. Sie sagt: „Wir haben jetzt schon ein Überangebot von 1.600 Pflegeplätzen in der Region. Außerdem kann es nicht angehen, dass wir von dem geplanten Grundstücksverkauf an den Investor für dessen Pläne erst aus der Zeitung erfahren haben. Für uns steht, nicht nur deshalb, das auch von der Landesregierung favorisierte Modell 'Ambulant statt stationär' im Mittelpunkt. Wir wollen, dass die alten Menschen so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können. Die Stadt sollte daher die Rahmenbedingungen für seniorengerechte, barrierefreie und bezahlbare Wohnungen schaffen, die den Menschen ein betreutes oder gar selbstbestimmtes Wohnen ermöglicht. Wir müssen ohnehin über andere, alternative Wohnformen nachdenken und auch die Stadt altersgerechter gestalten. Dazu brauchen wir dringend einen Altenhilfeplan mit belastbaren Zahlen.“ Fest steht, dass die Nachfrage nach kleinen, bezahlbaren Wohnungen bis etwa 55 Quadratmeter für alte Menschen kontinuierlich ansteigt. Wohnen im Alter bedeutet für sie, selbstständig im gewohnten Quartier zu leben, die Gemeinschaft mit Gleichaltrigen, und, was ebenso wichtig ist, eine Versorgungssicherheit mit ambulanter Pflege. Der Geschäftsführer der AWO Pflegegesellschaften, Dirk von der Osten, stellte in seinem Vortrag über unterschiedliche Wohnformen für alte Menschen allerdings klar, dass der Wunsch, bezahlbare Altenwohnungen zu bauen, mitunter mit den heutigen Baukosten nur schwer zu vereinbaren sei. Unter zehn Euro pro Quadratmeter Wohnfläche sind Neubauten im Grunde nicht zu realisieren. Ein weiteres Problem ergibt sich bei der Frage nach qualifiziertem Pflegepersonal. Alle Beteiligten sind sich darin einig, dass es sehr schwer bis nahezu unmöglich sei, gute und motivierte Pflegekräfte zu bekommen.