Demokratie – nicht nur für sich selbst

Beschäftigen sich intensiv in ihrem Geschichtskurs mit dem Thema (von links): die Zwölftklässler Patryk Menich, Anna Brörken, Hüseyin Yatakci, Ildor von Blancken burg und Frauke Lührs. Foto: O. Krebs

IGS: Ausstellung „Rechtsextremismus“ noch bis zum 17. Dezember

Langenhagen (ok). Wie geht man an das etwas sperrige Thema „Rechtsextremismus“ ran? Eine Frage, die sich Schulleiter Wolfgang Kuschel bei der Eröffnung einer Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung zu diesem Thema stellte. Ablehnung – kann nach Ansicht Kuschels auch zur Faszination führen; moralisieren sei ebenfalls fehl am Platze, funktioniere überhaupt nicht. Die Mischung macht’s, dessen ist sich Kuschel sicher: Analyse und Widersprüche müssten mit einem Indoktrinationsverbot einhergehen. Wolfgang Kuschel: „Schule ist zu oft eine Reparaturwerkstatt für die Gesellschaft. Wir dürfen nicht nur Weltoffenheit lehren, sondern müssen sie zugleich lernen.“ Franziska Schröter von der Friedrich-Ebert-Stiftung machte deutlich, dass rechtsextremistisches Gedankengut seit einigen Jahren wieder im Aufwind sei, unter dem Mantel der Bürgerfreundlichkeit verkauft werde – beispielsweise mit Hilfe organisierter Zeltlager. Demokratie brauche Demokraten, müsse gelernt werden und sei beileibe keine Selbstverständlichkeit. Bürgermeister Friedhelm Fischer zeigte sich erfreut darüber, dass die Anzahl rechtsextremistischer Straftaten in Langenhagen glücklicherweise nicht signifikant sei, ganz anders als noch vor zehn Jahren. Damals gab es eine rechtsextremistische Bewegung, die vor allen Dingen in Wiesenau für Unruhe gesorgt hatte. Es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu verhindern, dass „Jugendliche eingefangen werden“, so der Verwaltungschef. Dazu trage in Langenhagen auch das Aktionsbündnis „Langenhagener gegen Rechte Gewalt“ bei, dass nach den Vorkommnissen im Süden Langenhagens aus der Taufe gehoben worden war. Ein Mitglied dieses Aktionsbündnisses ist der Langenhagener Landtagsabgeordnete und Ratsherr Marco Brunotte, der sich in seiner Rede für ein gezielteres Einsetzen der staatlichen Instrumente aussprach. So könne es nicht angehen, dass ein SS-Massenmörder wie der kürzlich verstorbene Erich Steidtmann aus
Langenhagen ungeschoren davongekommen sei. Brunotte weiter: „Wir müssen den jungen Menschen Alternativen bieten, präventiv vorangehen, zum Beispiel Jugendzentren in ausreichender Zahl schaffen.“ Oder aber wieder eine Landeszentrale für Politische Bildung installieren.In der Schule müssten demokratische Werte vermittelt werden, die Zivilgesellschaft eingreifen, wenn etwas nicht so rund laufe. „Demokratie lebt nicht nur für sich selbst, sondern muss gestärkt werden“, so Brunotte. Wer Interesse hat, sich die Ausstellung auf Schautafeln einmal näher anzusehen, ist herzlich eingeladen. Sie steht noch bis zum 17. Dezember im Vorraum der Aula des Schulzentrums und kann an den Schultagen zwischen 8.30 und 16 Uhr besucht werden.