"Der Gesamtschulanspruch fällt weg“

Berichtete über ihre Arbeit an der Molitoris-Oberschule in Harsum: Schulleiterin Urte Kyas. (Foto: O. Krebs)

Mitglieder des Bildungsausschusses machen sich über Oberschule schlau

Langenhagen (ok). Dieter Galas, der frühere Schulleiter der IGS Langenhagen, ist Experte, was das Niedersächsische Schulgesetz angeht. Und der Pädagoge machte in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses deutlich, dass die beiden bestehenden Integrierten Gesamtschulen in der Stadt mit der Umwandlung der Robert-Koch-Realschule in eine Oberschule ihren Status als ersetzende Schulform verlieren. Im Klartext: Der Gesamtschulanspruch der Eltern falle weg, Kapazitätsbeschränkungen seien möglich. Das könne es ummöglich sein, schrieb er den Ausschussmitgliedern ins Stammbuch. Außerdem hätten sich bei einer Umfrage 79 Prozent der Eltern für eine Gesamtschule ausgesprochen, damals allerdings noch ohne die Alternative Oberschule im Angebot. Für Galas ein klares Votum. Die Variante Oberschule hatte RKS-Schulleiter Thomas Kelber ins Gespräch gebracht, sein Kollegium habe sich mehrheitlich für ein integratives System ausgesprochen, präferiere allerdings eine Oberschule mit einem gymnasialen Zweig vor einer weiteren Integrierten Gesamtschule. Doch was ist eine Oberschule eigentlich genau? Urte Kyas, Schulleiterin der Molitoris-Oberschule in Harsum im Landkreis Hildesheim, stellte vor, was eine Oberschule leisten kann. So sei es zum Beispiel möglich, jahrgangsbezogen oder aber auch schulformbezogen zu differenzieren. In Harsum können die Kinder bis zur zehnten Klasse bleiben. Wer danach das Abitur ablegen wolle, wechsle beispielsweise an eines der sechs Gymnasien oder der zwei Gesamtschulen in Hildesheim. Oder eben an ein Fachgymnasium. Eine Durchlässigkeit sei gegeben, 18 Stunden würden bei der Differenzierung nicht im Klassenverband unterrichtet. Wichtig sei immer – egal, ob in den Wahlpflichtkursen oder bei den Profilen – der Praxisbezug. So würden zum Beispiel selbstgeschriebene Theaterstücken mit Experimenten verknüpft oder aber Bienenstöcke auf einer Blumenwiese gebaut. „Wir arbeiten viel fächerübergreifend“, sagt Urte Kyas. Die MINT-Schule, also spezialisiert auf Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, gebe eine Menge Know-How in Sachen Praxisorientierung an den Gymnasialzweig ab. Konflikte zwischen den Schulformen gebe es nicht. Nach der zehnten Klasse können die Schüler an der teilgebundenen Ganztagsschule dann neu überlegen, wie es weitergehe. Eine gymnasiale Oberstufe an einer Oberschule sei nur möglich, wenn eine Kooperative oder Integrierte Gesamtschule umgewandelt. In Niedersachsen gibt es keine. Entschieden wird über die Langenhagener Schullandschaft und die Zukunft der Robert-Koch-Realschule aber erst nach den Sommerferien. Es besteht bei der Mehrheit mit den neuen Erkenntnissen noch Beratungsbedarf.