„Der Glaube hat sie alles durchstehen lassen“

„Ruhe in Frieden“: Mechthild Bach wird auf dem Friedhof an der Karl-Kellner-Straße beigesetzt.Foto: O. Krebs
 
Zahlreiche Trauergäste begleiteten Mechthild Bach auf dem Weg zu ihrem Grab.Fotos: O. Krebs

Ein langer Trauerzug begleitete Mechthild Bach auf ihrem letzten Weg

Langenhagen (ok). Der liebe Gott hatte das Wetter passend zu ihrem letzten Geleit gewählt. Kalt, regnerisch und stürmisch – drei Begriffe, die den Gemütszustand von Mechthild Bach in den vergangenen Jahren widerspiegeln. Die Ärztin, die wegen mehrfachen Totschlags angeklagt war, hatte sich das Leben genommen. In der Elisabethkirche gab es keinen Sitzplatz mehr; viele Trauergäste, die sich von der Ärztin verabschieden wollten, mussten stehen. In ihrer Trauerrede ging Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann auf die Ausweglosigkeit und Verzweiflung Mechthild Bachs ein. Ihre letzten Worte „Es ist so kalt geworden in dieser Nacht“ hätten gezeigt, dass es keinen Weg mehr für sie gegeben habe. Hart ging Spieckermann mit der Justiz ins Gericht, sprach davon, dass Bach „acht Jahre am Pranger gestanden hat“ und „öffentlich seziert worden ist“. Sie habe sich gefragt, wo sie als Mensch bleibe und habe darum letztlich keinen Raum mehr für sich gesehen. Ingrid Spieckermann: „Lassen Sie uns versuchen, den Menschen Mechthild Bach zu sehen. Einmal nicht zu antworten, sondern im Angesicht Gottes zu fragen, Fragen stehenzulassen und Fragen auszuhalten.“ In dubio pro rea – im Zweifel für die Angeklagte – habe für Mechthild Bach am Schluss nicht mehr gegolten, die eine „immense Belastung durch den überlangen Prozess“ und seine „teilweise brutale mediale Vermarktung“ aushalten musste, zugleich noch in tiefer Sorge um ihren schwer erkrankten Lebenspartner war. „Der Mensch ist keine Rechenaufgabe“, so Spieckermann in der Elisabethkirche. Es gebe nicht nur schwarz und weiß, sondern auch Grauschattierungen. Mechthild Bach habe ihre Patienten nicht als Subjekte gesehen, die repariert werden wollen, sondern als „ganze Menschen“ in Würde und letzter Unverfügbarkeit. Ingrid Spieckermann fragte sich in ihrer Rede: „Was für ein Zeichen ist der Dokumentationswahn, der uns ja nicht nur hier ergriffen hat? Eine fehlende Dokumentation über Totschlag, gar Mord entscheiden zu lassen?“Und weiter: „Tun wir darum so, als dürfe es den Tod eigentlich nicht geben? Als sei er letztlich ein Unfall, den es möglichst zu vermeiden gilt?“
Aber Mechthild Bach sei trotz aller Belastungen bis zuletzt eins mit sich gewesen und fest davon überzeugt, dass der Richter ihr glaubt. Landessuperintendentin Spieckermann: „Dieser Glaube hat sie alles durchstehen lassen, auch wenn sie im Grunde nicht mehr konnte.“ Ihre innerste Überzeugung sei es gewesen, Gerechtigkeit zu finden – am Ende, als sich alle Hoffnung zerschlug, mit dem Zusatz „zumindest bei meinem himmlischen Richter“. Dem, bei dem sich die gläubige Christin zeitlebens geborgen gefühlt habe. „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie sich dich behüten auf allen deinen Wegen“, so steht dann auch es im Psalm 91, mit dem Ingrid Spieckermann ihre Rede schloss.
Nach der Trauerfeier in der Kirche wurde der Sarg mit gespendetem Blumenschmuck Langenhagener Floristen mit dem Wagen langsam zum Friedhof an der Karl-Kellner-Straße gefahren, bevor Mechthild Bach dort endgültig ihre letzte Ruhestätte fand und von ihrem langjährigen Freund Ernst Müller auch musikalisch verabschiedet wurde.