Der Kalte Krieg

Annette v.Stieglitz empfiehlt die Ausstellung insbesondere Jüngeren. (Foto: D. Lange)

Eine Ausstellung im VHS-Treffpunkt mit zeitgenössischen Fotos und Dokumenten

Langenhagen (dl). Mit dem Fall des eisernen Vorhangs und dem Zusammenbruch der Sowietunion schien 1991 auch der Kalte Krieg sein endgültiges Ende gefunden zu haben, nachdem die Menschheit in den Jahrzehnten zuvor wohl mehr als einmal am Abgrund eines Atomkriegs stand. Ein Szenario, das nach Meinung vieler nur durch das so genannte Gleichgewicht des nuklearen Schreckens verhindert wurde. Die Hoffnung auf eine bessere und friedlichere Welt hingegen erwies sich alsbald als trügerisch. Die Ost-Westbeziehungen sind derzeit so angespannt wie ehedem und weltweit gab- und gibt es bis heute soviele bewaffnete Konflikte wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr, mit der Folge nie dagewesener Flüchtlingsbewegungen. Dabei blieb der kalte Krieg nicht immer „kalt“, sondern allzuoft eskalierten die Konflikte zu „heißen Kriegen“. Man denke an den Koreakrieg in den 50er Jahren, der die bis heute andauernde Teilung des Landes mit seinen unberechenbaren Machthabern einer kommunistisch geprägten „Betondiktatur“ im Norden nicht verhinderte. Man denke an das Trauma Vietnam und nicht zu vergessen die verheerenden Bürgerkriege in der Dritten Welt. Die Ausstellung des Berliner Kollegs Kalter Krieg in Zusammenarbeit mit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur widmet sich in 22 Kapiteln der Zeit von 1945, dem Ende desZweiten Weltkriegs bis zur Auflösung der Sowietunion 1991. Es ist dies nach 2011, 2013 und 2015 die vierte Ausstellung ihrer Art, die sich mit der jüngeren deutschen Geschichte seit 1945 beschäftigt. Sie macht deutlich, dass die weltanschaulichen, politischen, militärischen und wirtschaftlichen Ursachen des kalten Krieges vor dem Hintergrund des nuklearen Wettrüstens die beteiligten Gesellschaften nachhaltig verändert haben. In kompakter Form werden die wichtigsten Informationen zum Thema mit Hilfe von zeitgenössischen Fotos und Dokumenten präsentiert und aufgearbeitet. OR-Codes verlinken im Internet darüber hinaus zu weiteren Informationen mit zeitgenössischen Film- und Tondokumenten. Eines wird dabei deutlich: die politischen Fronten mit ihren klaren Ost-Weststrukturen existieren heute so nicht mehr. Damals standen sich die beiden Blöcke zudem an der Grenze zwischen Ost und West, die mitten durch Berlin, mitten durch Deutschland verlief, feindlich und unmittelbar gegenüber. Heute ist die geo- und machtpolitische Interessenlage der beteiligten Konfliktparteien sehr viel komplizierter und unübersichtlicher geworden. Dennoch bietet die Schau vielerlei Anknüpfungspunkte zu den aktuellen Konflikten und politischen Entwicklungen, nicht nur in Europa und fordert zur historischen Rückschau auf. Annette v. Stieglitz, die Leiterin der VHS, empfiehlt die Ausstellung insbesondere jungen Leuten. Die Vermittlung der Ausstellungsinhalte funktioniere am besten im Gespräch in kleinen Gruppen, sagt sie. Die Kenntnis der politischen Hintergründe dieser jüngeren deutschen Geschichte ermögliche es dem Leser, die Dinge im richtigen Kontext einzuordnen und zu verarbeiten. Zu sehen ist die Schau im VHS-Treffpunkt noch bis zum 14. November.