Der letzte Flug von "Phoenix 96"

"Phoenix 96" hob am Donnerstag zum letzten Mal ab.

Eine Ära geht nach 37 Jahren zu Ende

Langenhagen. Mit der Aerospatiale SA 365 C2 Dauphin hat die Polizei Niedersachsen mindestens zweimal Geschichte geschrieben: 1979, im Jahr der Indienststellung, war das Flugmuster der modernste Hubschrauber Europas, heute ist "Phönix 96", so der Rufname, der älteste noch fliegende Polizeihelikopter Deutschlands. Zwischen dem ersten Start des Musters und seinem jetzt letzten Flug liegen gut 37 Jahre. "Damit geht im wahrsten Sinne des Worts eine Ära zu Ende", sagte Polizeipräsidentin Christiana Berg jetzt am Standort der Polizeihubschrauberstaffel Niedersachen (PHuStN) auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen. Niedersachsens damaliger Innenminister Egbert Möcklinghoff hatte am 10 April 1979 der Polizei Niedersachsen die erste von zwei SA 365 C2 übergeben. Ein Jahr später folgte die zweite Maschine desselben Typs. Je Polizeihubschrauber inklusive der sogenannten Missionsausstattung investierte das Land seinerzeit rund drei Millionen Mark. In der Chronik der PHuStN waren es seit Gründung im Jahr 1971 die Hubschrauber Nummer sechs und sieben. Und, was heute kaum noch bekannt ist: "Phönix 95" und "Phönix 96" waren bis Ende
April 1983 in Niedersachsen noch als Rettungs-hubschrauber unterwegs.
Sie kamen dabei auf insgesamt 713 Rettungseinsätze. Um vor dem Hintergrund der zu erwartenden Ausmusterung der in die Jahre gekommenen Hubschrauber die Rund-um-die-Uhr-Einsatzbereitschaft bereits frühzeitig sichern zu können, beschaffte Niedersachsen im vergangenen Jahr zwei neue Helikopter vom Typ EC 135 P2 ("Phönix 97" und "Phönix 98") des Herstellers Airbus Helicopters Deutschland (AHD) GmbH mit Standort im bayrischen Donauwörth. Inzwischen verfügen die Besatzungen der PHuStN alle über die notwendige Musterberechtigung und bereits erste Erfahrungen im Einsatz mit den neu beschafften Maschinen. Das Investitionsvolumen betrug im vergangenen Jahr rund zehn Millionen Euro je Hubschrauber (inklusive Missionsausstattung). "Die Leistungsbilanz von "Phönix 95 und 96" ist mehr als beeindruckend: Beide Maschinen kommen zusammen exakt auf 43.822 Starts und Landungen und damit verbunden auf knapp 19.500 Flugstunden. Umgerechnet in Entfernungskilometer entspricht das in etwa fünf Mal der Strecke von der Erde bis zum Mond und wieder zurück, oder in anderen Worten: einem Flug 100 Mal um die Erde", so Christiana Berg zu den Flugdaten der beiden alten Hubschrauber. Dahinter verbergen sich unzählige Routineeinsätze aber auch herausragende Einsatzflüge, wie zu den Castor-Transporten, Elbe-Hochwassern oder jüngst zum Besuch des amerikanischen Präsidenten Barack Obama in Hannover.
Zum Hintergrund: Die Polizeihubschrauberstaffel der Polizei Niedersachsen nahm am 2. Juli 1971 ihren Betrieb am Flughafen in Langenhagen auf. Die
Teilstaffel in Rastede wurde knapp vier Jahre später gegründet. Seit
dem 1. November 2004 gehört die Staffel organisatorisch zur Zentralen
Polizeidirektion Niedersachsen. Nach der Ausmusterung der Aerospatiale SA 365 C2 Dauphin stehen der Polizei Niedersachsen künftig jeweils zwei Hubschrauber der
Muster MD 902 Explorer sowie EC 135 P2 zur Verfügung. Die
Polizeihubschrauber in Hannover-Langenhagen sind 24 Stunden am Tag
einsatzbereit. Die Einsatzmaschine in Rastede startet und landet in
der Regel täglich von 6 bis 22 Uhr.
2015 waren die Hubschrauber der Polizei Niedersachsen bei mehr als
1.400 Einsatzanforderungen über 1.000 Flugstunden im Einsatz. Bis
Ende April dieses Jahres lag die Flugdauer bereits deutlich über 550
Flugstunden, bei insgesamt rund 400 Einsätzen.
Die Regelbesatzung besteht für jede Maschine aus einem Piloten,
einem Flugtechniker sowie einem Operator (Bedienung der polizeilichen
Sonderausstattung).