Der streitbare „primus inter pares“ geht von Bord

Gehörten zu Wolfgang Kuschels engsten Mitarbeiterinnen: Seine Sekretärinnen Barbara Behnisch (links) und Gundela Kiewitz. (Foto: O. Krebs)
 
Jetzt ist es offiziell: Dezernentin Roswitha Strickstrack-Garcia überreicht Wolfgang Kuschel seine Entlassungsurkunde. (Foto: O. Krebs)

Das Besondere der IGS steht bei Verabschiedung Wolfgang Kuschels im Mittelpunkt

Langenhagen (ok). Es spiegelte das wider, was gelebte IGS ist, so wie Wolfgang Kuschel sie in all seinen Dienstjahren verstanden – in einem Theaterstück spielte Hendrik Becker bei der Verabschiedung des langjährigen IGS-Schulleiters Wolfgang Kuschel den fiktiven Schulleiter „Waldemar Muschel“, nahm liebevoll die Eigenarten des ehemaligen Chefs aufs Korn. Die Gastredner wurden geschickt in den Ablauf des Schulalltags eingebaut, Beratungsdienst und Schulsanitäter waren ebenso dabei wie demonstrierende Schüler und Eltern, die wegen ihres Kindes bei Kuschel zum Rapport antreten müssen. In der Runde der Schulleitung, die eng im Team mit ihrem Chef zusammengearbeitet, hat, sind die Charaktereigenschaften Kuschels deutlich geworden: hartnäckig, kritisch, immer mit einem offenen Ohr, aber in der Lage, auch mal andere Meinungen gelten zu lassen. Gehandelt habe er immer nach den beiden Leitmotiven „Wir unterrichten Schüler, aber keine Fächer“ sowie „Hinfallen ist erlaubt, liegen bleiben aber nicht.“ Kuschel hat immer nach dem Prinzip der offenen Tür agiert, war sowohl für Schüler und Eltern als auch für seine Kollegen ein angenehmer Gesprächspartner. Und hat unter seines Kollegen in der Schulleitung immer als „primus inter pares“ gefühlt. Er hat den Generationswechsel über die Bühne gebracht, für eine angenehme Arbeitsatmosphäre gesorgt und die IGS Langenhagen weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht. Gerade in Gesprächen mit der Stadtverwaltung sei es aber im wahrsten Sinne des Wortes nicht immer kuschelig zugegangen. „Er kann scharf formulieren und tut das auch, aber immer auf der sachlichen Ebene“, merkte Bürgermeister Mirko Heuer in seiner Rede an. Gerade, wenn es um die Belange „seiner“ IGS ging. Nachher hätten sich die beiden aber immer wieder in die Augen schauen können. Und: „Ich habe dir immer gern zugehört“, so Verwaltungschef Mirko Heuer. Der ganze Festakt stand im Zeichen des Geistes der IGS. Musik, Tanz, Theater, eben eine Schule, die Spaß machen und wo das Kind der Verkäuferin neben dem der Ministerin sitzt – all das macht die Integrierte Gesamtschule aus. Eine Schule, die auf konstant hohe Anmeldezahlen seit Jahren verweisen. Auch ein Verdienst Kuschels, der das Ansehen der IGS im vergangenen Vierteljahrhundert noch weiter ausgebaut habe, so Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. Die jüngste Schulinspektion habe das noch einmal bestätigt, „Du hast Gesamtschule gelebt, und du hast dabei viele andere Menschen, auch mich, motiviert“, dankte die Ministerin Wolfgang Kuschel, der als streitbarer Geist immer die Schülerinnen und Schüler in die Mitte seines Handels gestellt, sein Engagement aber auch auf andere Gesamtschulen in Niedersachsen ausgedehnt habe. Großes Lob bekam Kuschel auch von den beiden Schülervertretern Birte Dreßler und Kolja Drescher. Sie hätten immer große Wertschätzung bei der Zusammenarbeit auf Augenhöhe erfahren. Dafür verliehen die beiden ihm das „Premium für besondere Leistungen in der Schülerschaft“. Und noch mehr: Seine Schulleiterkollegen der anderen Gesamtschulen schufen eine neue Maßeinheit: das GGW für Gesamtschul-Guru Wolfgang. Dann wurde es ernst, die zuständige Dezernentin Roswitha Strickstrack-Garcia zitierte zunächst aus der Personalakte Kuschels, bescheinigte ihm unter anderem „Führungsgeschick und Leistungskompetenz“, bevor sie ihn dann endgültig hochoffiziell zum Gesamtschuldirektor außer Dienst erklärte. Ein schöner Nachmittag mit einem tollen Festakt ging nach knapp zweieinhalb Stunden zu Ende. Und ein fassungsloser und gerührter Wolfgang Kuschel, der von seinen Kollegen zum Abschied noch eine Tour ins Ruhrgebiet und eine Kiste Bücher geschenkt bekommen hatte, verließ die Aula so wie er fast jeden Tag in die Schule gekommen war: mit dem Fahrrad.